Konsenspop für Pärchen: Belle and Sebastian auf Tour

Schon die exakte Bühnenbeleuchtung schreit: Wir wollen eine richtige Popband sein. Symmetrisch genau positionierte Leuchtbänder blinken zum Gewitter dramaturgisch in pink, hellblau oder leuchtgelb. Doch die zwölf Musiker der schottischen Popformation Belle and Sebastian stehen brav orchestergleich auf der Bühne der Columbiahalle: hinten links vier Streicher, rechts vier Gitarren, vorne die Querflöte und das Cello, in der Mitte Herr Murdoch als Frontsänger. Nur um dann genauso ruhig und gefasst wie im stillen Kämmerlein zu musizieren.

Murdoch scheint ein introvertierter Junge zu sein, der ab und zu ein bisschen hopst und zwischen den Songs so wenig wie möglich sagt. Er ist halt ein Schüchterner. Und mit ihm die restlichen Mitglieder, die sich zu ihrem verträumten Pop wiegen, der in den überwiegend wundervollen Momenten die Fröhlichkeit eines sonnigen Sonntagnachmittags verbreitet. In den raren, schlechten Momenten orgeln sie wie eine mittelmäßige Dorfband aus der Schottenpampa. Um dem zu entfliehen, ließen sie ihr letztes Album von Hit-Produzent Trevor Horn (t.A.T.u.) bearbeiten. Ihr Sound mag zwar besser klingen, aber eine spritzige Liveband werden sie damit nicht. Dazu sollten sie stehen. So lieben sie die Smiths, das hört man ihnen an. Stattdessen covern sie David Bowie, und das erstaunlich lahm.

Mehr abgegangen wäre es auch nicht für die vielen Pärchen im Saal. Die Schotten sind die Konsensband für Jungs wie für Mädchen. In Zweiergrüppchen stehen diese beieinander und wuppen verhalten. Nur am Ende jedes Stücks verlassen sie ihre Introvertiertheit und lassen sich zu einem eifrigen Klatschen hinreißen. Das ist fast zu viel traute Einhelligkeit bei den sanften Fans einer noch sanfteren Popband.

vd