Alice Samters humorvolle, burschikose und eigenwillige Musikstücke werden in ganz Europa, Amerika und Australien gespielt. Vor zwei Jahren wurde ihre Nelly-Sachs-Oper "Nachtwache" uraufgeführt. Im vergangenen Juni hat sie noch munter und vergnügt ihren 95. Geburtstag gefeiert - als "Berlins dienstälteste Komponistin". Freitagnacht ist Alice Samter an Herzversagen gestorben.

Die Auseinandersetzung mit der Nazizeit und andere zeitkritische Themen interessierten sie zeitlebens ebenso sehr wie pittoreske Stimmungsbilder aus dem Alltag. Dem Kuckuck im Hinterhof und den Berliner Busschaffnern hat sie klingende Denkmäler gesetzt. Vor allem ist die Komponistin aber für ihre prägnanten musikalischen Aphorismen bekannt geworden, die kaum länger als acht Minuten dauern.

Ihre Karriere als Komponistin hat sich Alice Samter neben ihrer Tätigkeit als Musik- und Kunstlehrerin aufgebaut. Vor fünf Jahren bereits richtete die Universität der Künste die Alice-Samter-Stiftung zur Förderung junger Musiker ein. Im vergangenen Sommer hat die Berliner Komponistin noch drei Lieder mit Cellobegleitung komponiert. Weil das Sehvermögen nachließ, diktierte sie die Noten einem jungen Musiker. Die letzten Monate verbrachte Alice Samter in Burg Winnenthal bei Xanten. Am Donnerstag findet ihre Beerdigung auf dem Friedhof an der Heerstraße statt.

Martina Helmig