Bären leben ja eigentlich in Wäldern. Oder in Plastiktüten. Wo aber hausen jene, die am Ende der Berlinale verliehen werden? Nicht im Bären-Gehege des Köllnischen Parkes. Nicht in einem Banksafe. Und auch nicht bei Dieter Kosslick zu Hause (da wird gerade ein Kinderzimmer eingerichtet). Nein, Familie Petz bleibt bis zuletzt in der Friedenauer Firma Noack, die sie seit der ersten Berlinale, also seit 54 Jahren formt, gießt und ziseliert. Dauert pro Vorgang etwa einen Tag, und der arme Bronzekerl muss sich dabei so manchen Stupser, Hämmerchenschlag und Stahlbürstenschrubber über sich ergehen lassen. Am Ende aber glänzt er umso prächtiger und wiegt mit Sockel gut und gern seine zwei Kilo. "Das kann ich nur schätzen", so Evelyn Haase aus dem Hause Noack, "dafür reicht unsere Briefwaage nicht aus." Alle Bären-Kandidaten sollten also schon mal üben, Zwei-Kilo-Hanteln mit Lächeln zu stemmen. Den Gold- bzw. Silbermantel bekommt er erst am Tag der Verleihung, nachdem der Siegername in den Sockel eingraviert wird. Der Vergolder muss also in Habacht-Stellung stehen. Wehe, wenn der am Vortag auf einer Berlinale-Party versacken sollte! Eines, das schwört Frau Haase, wird aber keinesfalls passieren: dass die Trophäen, wie vor vier Jahren bei der Oscar-Verleihung, verschwinden und später womöglich in Müllsäcken wieder auftauchen sollten.

Was die Gewinner fürderhin mit den Bären anstellen, entzieht sich unserer Kenntnis. Man hört von mondänem Luxusleben in schnieken Regalen und schicken Glasvitrinen. Aber es hält sich auch das hartnäckige Gerücht, dass sie zuweilen als Türstopper im Badezimmer enden. Und der Bär von Shirley MacLaine soll gar versteigert worden sein. Das haben sie nicht verdient! Da möge der Tierschutz eingreifen.

Peter Zander