Anfangs des Jahrzehnts war die New Yorker Popszene mal wieder in aller Munde. Eine Vielzahl neuer Bands machte auf sich aufmerksam, doch nur wenige davon hinterließen nachhaltige Wirkung. Eine Ausnahme sind Interpol. In der ausverkauften Columbiahalle war kein Stehplatz mehr zu ergattern, als die Kultgruppe ihren Auftritt mit "Pioneer To The Falls" aus den neuesten Album "Our Love To Admire" begann.

Es ist ein untypischer Song für die nunmehr zu fünft spielende Band. In ihm steckt eine Andeutung von Tango, die Spannung baut sich sukzessive auf und es gibt viele Brüche. Das klingt erstaunlich eigen, wenn man bedenkt, dass Interpol ursprünglich Meister des Zitats waren. Wire, Gang Of Four, The Chameleons und vor allem Joy Division waren wiederkehrende Referenzpunkte in ihrem Retro-Post-Punk-Gemisch. Doch mittlerweile entwickelt sich die Band Schritt für Schritt weiter. Die Akkorde von Gitarrist Daniel Kessler erinnern nun schon einmal an die harte Melodik der Pixies. Schlagzeuger Sam Fogarino verlangsamt den Rhythmus an einzelnen Stellen zugunsten eines HipHop-Beats. Bassist Carlos Dengler wühlt noch immer mit Inbrunst an den Saiten, sieht aber mit mittelalterlichem Edelmannlook deutlich weniger auffällig als früher aus. Hier machen Musiker den klassischen Reifeprozess durch.

Das Publikum reagiert indes irritiert. Viele Fans würden am liebsten den ganzen Abend ekstatisch zu den forschen Songs der ersten beiden Alben tanzen, werden aber immer wieder in ihrem Enthusiasmus gebremst. Interpol ist nicht die Band für den schnellen Unterhaltungsflash. Der Antistar-Habitus lässt sich am deutlichsten an Sänger Paul Banks festmachen. Bis auf kurze Danksagungen macht er keine Ansagen. Die Haare fallen ihm ins Gesicht, sein Gesang wirkt für einen Frontmann ungewöhnlich entspannt und die Texte lassen ich schwer dechiffrieren. Irgendwo ein Mysterium, diese Band.

huf