Sandra Bullock wacht auf und sieht ihren Mann neben sich liegen. Eigentlich eine ganz banale Alltagssituation. Aber erst gestern ist er bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Und so schwant ihr, dass dies nur eine Vorahnung gewesen ist. "Die Vorahnung", so heißt denn auch der Film von Mennan Yapo, der morgen ins Kino kommt.

Auch Yapo wachte eines Morgens auf und stellte fest, dass etwas nicht stimmt. Er hatte vor drei Jahren ein ziemlich spannendes Debüt hingelegt, "Lautlos" mit Joachim Król und Nadja Uhl, das Drehbuch vom "Spiegel"-Redakteur Lars-Olav Beier. Aber das Drama um einen aussteigenden Serienkiller fiel glatt durch. Da muss auch der bayerische Deutschtürke eine Vorahnung gehabt haben, dass er am falschen Platze ist.

Hollywood wirbt systematisch Talente ab

Jetzt hat er, ironischerweise mit der Deutschstämmigen Sandra Bullock, einen Hit in den USA gelandet, der Bullocks Produktionsfirma den bislang dicksten Profit einfuhr. Und er ist nicht der einzige Deutsche, der derzeit in Hollywood operiert: Nächste Woche starten gleich zwei Filme, Marco Kreuzpaintners "Trade" mit Kevin Kline und Oliver Hirschbiegels "Invasion" mit Nicole Kidman, am 8. November zudem Florian Baxmeiers "Die drei ???". Und das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange: Christian Alvart, der bei uns mit "Antikörper" floppte, dreht mit René Zellweger den Horrorfilm "Case 39". Sandra Nettelbeck, deren "Bella Martha" Hollywood gerade zum faden Remake aufgoss, bereitet dort "Helen" vor, ein Drama mit Ashley Judd.

Derzeit sind die Deutschen in Hollywood gefragt wie selten. Systematisch werden Talente abgeworben. So viele deutsche Regisseure, rechnet jener "Spiegel"-Redakteur vor, der Mennan Yapo nicht nachgereiste, gab es dort zuletzt in den 30er-, 40er-Jahren. Die aber waren nicht freiwillig gekommen, sondern ins Exil geflohen.

Roland Emmerich und Wolfgang Petersen, lange Zeit die Deutschen in der Traumfabrik, dürfen sich inzwischen zu den Fossilien rechnen. Wobei der erste Kreuzpaintner gönnerisch in Hollywood einführte. Auch hiesige Filme, Caroline Links "Nirgendwo in Afrika" und Florian Henckel von Donnersmarcks "Das Leben der Anderen", wurden mit Auslands-Oscars geehrt. Teutonisches liegt im Trend. Doch Donnersmarck ist nicht die Zielmarke. Fast acht Jahre lang arbeitete er an seinem Stasi-Drama, von der ersten Idee bis zum letzten Schnitt. Zu lange für Hollywood.

US-Stars in Berlin, Deutsche in Hollywood

Hier gilt eher das "Modell Schwentke". Robert Schwentkes Debüt "Tattoo" war der ziemlich wuchtige Versuch, amerikanische Genrekost auch im hiesigen Kino zu verankern. Vergeblich. Doch plötzlich inszenierte Schwentke den Blockbuster "Flightplan" mit Jodie Foster. Die Amerikaner wussten ihre Art Kino offensichtlich mehr zu schätzen - besonders reizvoll durch den fremden Blick.

Absurde Konstellation: Derzeit drängeln Hollywoodstars wie Cruise & Kidman nach Deutschland, um sich mit renommierten Stoffen zu profilieren. Und gleichzeitig drängelt unser Nachwuchs nach drüben, um sich auszutoben. Die neue Riege ist jung: Yapo Jahrgang '66, Schwenkte '68, Baxmeyer' 74, Kreuzpaintner '77. Sie hat noch keine große Filmographie vorzuweisen, ist noch offen, ergo auch "formbar". Vor allem aber begeistern sie sich für das hierzulande eher belächelte Nischenkino des Genrefilms.

Die Ausnahme ist Oliver Hirschbiegel, mit Jahrgang '57 der Oldie der Young Germans in den großen Studios. Mit den sehr kontroversen und erfolgreichen Filmen "Das Experiment" und "Der Untergang" hat er sich in Deutschland bereits einen Namen gemacht - und nun mit "Invasion", einem Remake des Sci-Fi-Klassikers "Die Dämonischen", trotz Starbesetzung einen der dicksten Flops der Saison hingelegt. Er entschuldigt sich fast mafiotisch: Sie machen einem da drüben "Angebote, die man nicht ablehnen kann." Auch er wird aber erst mal dort bleiben - und plant bereits einen nächsten US-Film mit einem US-Star. Irgendwo in Afrika.