Ruth Berghaus galt als eine der stärksten und eigenwilligsten Regiebegabungen der internationalen Musiktheaterszene. Außerdem wurde sie als Erneuerin des Musiktheaters gefeiert. Heute wäre Berghaus 80 Jahre alt geworden. Die Frau des Komponisten Paul Dessau starb am 25. Januar
1996 in Zeuthen bei Berlin an Krebs. Berghaus und Dessau fanden ihre letzte Ruhe auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof neben dem Brecht-Haus in der Chausseestraße, wo auch die Gräber von Bertolt Brecht und Helene Weigel sowie Heiner Müller und Stephan Hermlin sind.
Beifallsstürme gegen einen Orkan von Protesten - das war das Leben der Ruth Berghaus, eine der stärksten Regiebegabungen in der internationalen Musikszene. Sie hat die europäische Opernszene, die sie im wahrsten Sinne des Wortes zum Tanzen brachte, belebt und bereichert wie keine andere ihres Fachs.
Die gebürtige Dresdnerin ging von der Tanzschule der Gret Palucca in ihrer Heimatstadt zur Regieausbildung unter Wolfgang Langhoff ans Deutsche Theater in Berlin. In den 70er Jahren leitete sie als Nachfolgerin von Helene Weigel das Berliner Ensemble.
Die am 2. Juli 1927 geborene Berghaus war mit dem Komponisten Dessau (1894-1979) verheiratet, von dem sie mehrere Werke wie "Puntila" und "Lanzelot" uraufführte. Mit Dessaus Oper "Die Verurteilung des Lukullus" gab sie 1951 an der Ost-Berliner Staatsoper ihr Regiedebüt. Später inszenierte sie mit großem Erfolg Wagner und Mozart an namhaften Opernbühnen; auch Werke von Alban Berg, Arnold Schönberg, Richard Strauss und Siegfried Matthus brachte sie auf die Bühne. Bei den Wiener Festwochen 1988 erregte sie gemeinsam mit Claudio Abbado Aufsehen mit ihrer Wiederbelebung der Schubert-Oper "Fierrabras".
Am Berliner Ensemble inszenierte sie nicht nur Brecht, sondern setzte sich auch für die Stücke jüngerer Autoren wie Peter Hacks und Heiner Müller ein. Ihre Sicht auf Wagners "Ring des Nibelungen" 1985 bis 1987 in Frankfurt am Main machte Theatergeschichte, wenn sie auch mit einer überaus umstrittenen "Götterdämmerung" endete. Zuvor war schon ihr Versuch, Wagners "Ring" an der Staatsoper zu inszenieren abgebrochen worden.
Berghaus war SED-Mitglied und zeigte sich loyal gegenüber der DDR, auch wenn kulturpolitische Reibungen nicht ausblieben. Sie unterzeichnete auch eine Ergebenheitsadresse für die DDR bei der Ausbürgerung Wolf Biermanns 1976. In der DDR erhielt Berghaus unter anderem den Nationalpreis, den Goethe-Preis und den Konrad-Wolf-Preis der Akademie der Künste der DDR. dpa

