Beutekunst

Russland gibt Kirchenfenster zurück

Fünf Jahre nach Rückgabe von 111 Scheiben der berühmten Marienkirchenfenster in Franfurt (Oder) will Russland noch die letzten sechs der im Krieg erbeuteten Einzelfelder zurückgeben. Die russische Regierung habe beschlossen, die Stücke vom Moskauer Puschkin-Museum an die Kirche zu übertragen. Das Parlament müsse noch zustimmen.

Fünf Jahre nach Rückgabe von 111 Scheiben der berühmten Marienkirchenfenster in Franfurt (Oder) will Russland noch die letzten sechs der im Krieg erbeuteten Einzelfelder zurückgeben. Die russische Regierung habe beschlossen, die Stücke vom Moskauer Puschkin-Museum an die Kirche zu übertragen. Das Parlament müsse noch zustimmen.

Russland hatte die 111 Scheiben für 3 Fenster der Kirche nach langen Verhandlungen 2002 zurückgegeben. Die einzigartigen Zeugnisse hochgotischer Glasmalerei sind nach aufwendiger Restaurierung für 1,1 Millionen Euro seit diesem Sommer wieder in der Kirche zu bewundern.

Mit Freude reagierte der Frankfurter Oberbürgermeister Martin Patzelt auf die Nachricht. "Ich war überzeugt, dass wir die Scheiben wiederbekommen; doch das es so schnell geht, habe ich nicht erwartet", sagte der CDU-Politiker. Mit diesen sechs Scheiben seien die Fenster dann nach Jahrzehnten wieder komplett. Die Fenster erzählen die Schöpfungsgeschichte und zeigen den Antichrist, der Legende nach ein Widersacher und zugleich Vorbote Gottes. Die Rückgabe galt als erster großer Fortschritt im deutsch-russischen "Beutekunst"-Streit. Moskau betrachtet die Bleiglasfenster im Gegensatz zu anderen noch in Russland verwahrten Kulturschätzen aus Deutschland nicht als Wiedergutmachung für Kriegsschäden, sondern als Eigentum der Kirche. Religiöse Organisationen dürfen nach dem russischen Beutekunstgesetz nicht für Kriegsschäden zur Verantwortung gezogen werden. Die deutsch-russischen Verhandlungen über die Rückgabe der "Beutekunst" sind seit langem in eine Sackgasse geraten. Der Ausgang ist ungewiss.