Das Buch haben die Propheten des Fortschritts oft totgesagt. Für das Kino haben mit dem Aufkommen des Fernsehens viele Auguren nur noch Siechtum angekündigt. Beide leben noch ganz gut. Jetzt ist das Internet dabei, die weltweite Kommunikation zu revolutionieren. Wie wird sich das auf Zeitungen, Fernsehen, Radio und andere klassische Medien auswirken? Und wie verändert das weltumspannende Netz mit allen seinen Möglichkeiten die Arbeit von Journalisten?

Kenner der Medienlandschaft betrachten den Wandel aufmerksam, aber gelassen: "Klassische Medien werden sich mit dem Internet verbünden und überleben", glaubt Ernst Elitz, Intendant des Deutschlandradios. "Es gibt eine schlaue Bockigkeit der klassischen Medien, darauf zu beharren, was sie sind", sagte der Soziologe und Schriftsteller Wolf Lepenies. Für die Zeitung gebe es immer Bedarf. Sie dürfe aber nicht nur den Vortag abbilden, sondern müsse "den morgigen Tag vorbilden" und die Gegenwart mit klugen Kommentaren analysieren. "Wenn es nicht um Schnelligkeit geht, ist es eine große Mühsal, sich vor den Bildschirm zu setzen", sagte der langjährige ZDF-Intendant Dieter Stolte, wie Lepenies und Elitz Beiratsmitglied der neuen Axel Springer Akademie: "Es ist viel gemütlicher, sich mit einer Zeitung zurückzulehnen."

Konzentrierter Journalismus

Jan-Eric Peters, Gründungsdirektor der Akademie, die für die gesamte journalistische Aus- und Fortbildung in Europas größtem Zeitungs- und Zeitschriftenverlag zuständig ist, sieht den Vorteil der Zeitung im Vergleich zum unendlichen Cyberspace auch im begrenzten Platz: "Hier bekommt man Journalismus konzentriert, hier werden Nachrichten von Profis geprüft, eingeordnet, gewichtet und bewertet", sagte der frühere Chefredakteur und Herausgeber von "Welt" und Berliner Morgenpost. Die Zeitung erziele eine höhere Aufmerksamkeit durch die "Reduktion von Komplexität" und sei im Vergleich zum Internet glaubwürdiger. Trotz dieser Bekenntnisse zum gedruckten Wort wollte aber niemand in der Runde, die sich im Journalistenclub im Axel-Springer-Haus über die Zukunft der Medien austauschte, das Netz verteufeln: "Kulturkritische Vorbehalte gegen das Internet sind falsch", sagte Lepenies: "Wie sonst könnte ich morgens die "New York Times' lesen", fragte der Publizist, der 2006 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet worden ist.

Multimediale Möglichkeiten

Jan-Eric Peters vertrat die These, das Internet mache sogar besseren Journalismus möglich - "wenn man die Möglichkeiten des Internets zu nutzen weiß". Journalisten seien nicht mehr begrenzt durch die technischen Limitierungen der klassischen Medien. "Jede Geschichte kann im Internet so erzählt werden, wie sie am besten zu vermitteln ist: als Text zum Lesen, mit Ton zum Hören, mit bewegten Bildern zum Schauen, interaktiv und jederzeit überall abrufbar." Durch die Verknüpfung mit anderen Geschichten und Internetseiten würde eine bisher nicht gekannte Tiefe erreicht, so Peters, Zusammenhänge und Hintergründe könnten viel besser erklärt werden. Die Axel Springer Akademie hat eine crossmediale Ausbildung deshalb auch zu ihrem Schwerpunkt gemacht.

Für Medienschaffende, die mit Sorge auf das rasante Tempo im Internet schauen und fürchten, den Themen im Zeit- und Kostendruck nicht mehr gerecht zu werden, haben die erfahrenen Experten einen guten Rat: "Es ist eine journalistische Krankheit zu meinen, über alles zeitgleich informieren zu müssen", sagte Elitz: "Für den Normalbürger ist das nicht so wichtig." Diejenigen Medien würden sich durchsetzen, die auch mal "innehalten, zusammenfassen, bewerten." Dieter Stolte pflichtete ihm bei: "Es muss auf Stil und Persönlichkeit geachtet werden, auf eine individuelle Handschrift." Und Wolf Lepenies sagte: "Ein Kommentar wird wenig tangiert von den neuen Medien."

Einfluss durch PR-Berater

Eine Gefahr für den Journalismus verbindet der Sozialwissenschaftler aber doch mit der neuen Medienwelt: Der investigative Journalismus, der Missstände aufdeckt, drohe in den Hintergrund zu treten, wenn sich die Medienmacher "zu sehr auf die Darstellungsebene konzentrieren". Jan-Eric Peters sieht das ähnlich: "Auf die Frage nach dem Traumjob im Journalismus heißt es immer: Auslandskorrespondent. Oder Chefredakteur. Investigativer Reporter höre ich leider nie."

Als Herausforderung für Medien und Journalisten wertete die Runde die immer professionellere PR-Arbeit von immer mehr PR-Profis, die auf die unabhängige Berichterstattung Einfluss nehmen wollen. "Informationen werden geschickt lanciert", sagte Stolte, "das ist das Problem." Ernst Elitz hält die zunehmende Komplexität für das eigentlich Neue: "Zum Beispiel die Gesundheitsreform. Da brauche ich immer einen, der mir etwas erklärt."

Die Schwierigkeit, sowohl mit immer komplexeren Sachverhalten als auch mit einem ganzen Strauß neuer Medien umzugehen, stellt die Medienprofis vor neue Herausforderungen. "Journalisten haben es heute schwerer als noch vor zehn, 20 Jahren", sagte Peters. Die Anforderungen seien höher, und deshalb sei eine gründliche Ausbildung besonders wichtig. "Aber eines bleibt", so Peters, "Journalist ist ein echter Traumberuf. "

Info

Die Axel Springer Akademie im Internet: www.axel-springer-akademie.de