Columbiahalle: Nine Inch Nails im Jahre Null

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Früher war Trent Reznor Dauerkandidat für fortgeschrittenes Berserkertum an der Grenze zur manischen Depression.

Früher war Trent Reznor Dauerkandidat für fortgeschrittenes Berserkertum an der Grenze zur manischen Depression. Auf den Alben "Pretty Hate Machine" und "The Downward Spiral" schleuderte der Misanthrop in beeindruckender Art und Weise die Gallertmasse des Hasses aus seinem Höllenschlund. Reznor wurde zu einer Galionsfigur der zur Selbstzerstörung neigenden Grunge-Generation, überlebte dann aber, im Gegensatz zu einigen Kollegen seiner Generation, alle persönlichen und musikalischen Krisen. Mit seiner Band Nine Inch Nails gastierte er nun an zwei Abenden in der ausverkauften Columbiahalle.

Grund des Kommens war das für Mitte April angekündigte neue Album "Year Zero", das sich mit Weltuntergangsszenarien beschäftigen soll. Zu hören bekommen die Zuhörer davon aber nur wenig. Reznor scheint zu wissen, dass er seine treuen Fans besser nicht mit exklusiven Hörproben überfordert. Das Volk verlangt bei solchen öffentlichen Anlässen gemeinhin nach Hits, und selbige bekommt es dann auch präsentiert. Die Band ist noch gar nicht richtig warm, da ertönt schon der Refrain des Songs "Heresy" aus Tausenden von Kehlen: "Euer Gott ist tot und niemand schert sich darum, wenn es eine Hölle gibt, werde ich Euch dort treffen."

Nichts liebt der ganz in Schwarz auftretende Luzifer Reznor mehr als die Vermengung von gottloser Haltung und Finsternis. Wie bei solchen Inhalten nicht anders zu erwarten, ist die Musik der Nine Inch Nails äußerst brutal, düster und aggressiv.

Im Gegensatz zu vergleichbaren Bands lässt Reznor aber auch Raum für differenzierte, ja zarte Elemente. Die Ballade "Hurt" spielt der Frontmann sogar alleine am Piano. Mit dem heißblütig vorgetragenen Dauerbrenner "Head Like A Hole" endet der Abend standesgemäß. Nach 90 Minuten verabschieden sich die Nine Inch Nails ohne Zugabe, wohl wissend, eine intensive Lektion in moderner und provozierender Rockmusik erteilt zu haben.

huf