Das Publikum bevorzugte es, laut zu sein. Damit brach es ein Versprechen, das zuvor eigentlich der auftretende Musiker gegeben hatte: "An acoustic evening with Dave Matthews". Akustisch war es, ohne Zweifel. Als Dave Matthews am Montag fast scheu die Bühne der Columbiahalle betrat, wurde das Auditorium von einer schrillen Euphorie übermannt, die fast drei Stunden andauern sollte.
In Europa ist der Sänger und Gitarrist der Dave Matthews Band noch eine Art Geheimtipp. In den USA dagegen ist der 40-Jährige nicht nur eine bekannte Größe - die Dave Matthews Band zählt seit ihrer Gründung 1991 mit über 35 Millionen verkauften Alben zu den erfolgreichsten Bands der USA, bei denen selbst Legenden wie Neil Young ehrerbietig als Support-Act auftreten. Die Massenhysterie in seiner Heimat tauscht Dave Matthews für leise Solopfade in Europa. Auf seiner ersten deutschen Station reduzierte er die fulminante Mischung seiner Band aus Jazz, Rock, Folk und R&B auf einen Abend im Sinne des Storytelling - ein Liedermacher, den man in eine Reihe mit Johnny Cash oder Neil Young stellen könnte.
Matthews tritt ganz unprätentiös auf die Bühne. Ein Barhocker, eine Westerngitarre - unplugged führt er durch zwölf Jahre eigene Musikgeschichte. Auf den Klang zweier Gitarren speckte Matthews sein musikalisches Werk ab, das sich sonst durch ein kompliziertes Instrumentalgeflecht aus Drums, Saxophon und Violine auszeichnet. Gitarrist Tim Reynolds greift an diesem Abend in Berlin die fehlenden Instrumentalarrangements auf - mit leichter Hand, denn Reynolds begleitet Matthews seit fast dreißig Jahren.
Die Rückbesinnung auf das Einfache untermalt Dave Matthews schon mit dem Opener - als "Bartender" lernte er seine Musikerkollegen in Charlottesville, Virginia, kennen. Matthews greift zielsicher auf sein Repertoire zurück - bewährte Publikumserfolge wie "When the world ends", "Everyday" oder "Satellite" aus seiner Zusammenarbeit mit der Band durchbricht er mit Songs seines Soloalbums "Some Devil". Es ist auch dieser Platte zu verdanken, dass Matthews an diesem Abend ein einziges Mal die Akustik- gegen eine Elektrogitarre tauscht - wenn er seine Zugabe mit dem gleichnamigen, elegischen Song eröffnet. Erst dann gelingt es ihm, das zuvor ekstatische Publikum mit der klagenden Wehmut seiner Liedtexte zu zähmen. Damit gibt Dave Matthews die leise Hoffnung, auch in Europa bald mehr zu sein, als eine amerikanische Fußnote.

