Im Mai 1968 stellten Studentenunruhen die bürgerliche Ordnung in Frankreich in Frage. Nachdem in Paris der Straßenkampf verebbt ist, spüren sechs junge Menschen dem Rausch des Augenblicks nach und erleben die Ernüchterung. Regisseur Alexander Charim, 1981 in Wien geborener Regiestudent der Hochschule für Schauspielkunst, hat mit dem Projekt "Liebe 1968" im BAT-Studiotheater ein Zeitgemälde kreiert. Das Scheitern einer Utopie, vordergründig vollgepackt mit Idealen: Gegen den Krieg, den Konsumterror, für ein selbstbestimmtes Leben. Letztlich geht um persönliche Befindlichkeiten.
Auf einem gewaltigen Baumstamm sitzend, tönt das Sextett groß von den Veränderungen. Was bleibt sind episodenhaft miteinander verwobene Biographien: François (Rafael Stachowiak) etwa ist Dichter und liebt die Bildhauerin Lilie (Eva Meckbach). Die aber geht mit ihrem Chef und der Aussicht auf Erfolg nach New York.
Der reiche Antoine (Friedrich Mücke) glaubt ohnehin nicht an den ganzen idealistischen Quatsch. Er ist eher an der freien Liebe mit beiden Geschlechtern interessiert. Léa (Monika Vivell) hingegen begeht in Zeiten des wahllosen Sex den Fehler, ihrem Freund Luc (Matthias Hungerbühler) ihre Liebe zu gestehen. Einzig Veronique (Christina Athenstädt) findet ihre Bestimmung in der Revolte. Was wie ein peinlich-verkopfter Studentenkrampf beginnt, erweist sich als punktgenaue, hervorragend von den Schauspielstudenten gespielte Momentaufnahme einer ganzen Generation.
BAT-Studiotheater, Belforter Str. 15, Prenzlauer Berg. Tel.: 440 189 12. Termine: 3., 4. und 10.3. um 20 Uhr.
Ulrike Borowczyk

