Die Bilder der Amanda Lear

Am schönsten sind die Gemälde von Amanda Lear, die ihrer Stimme gleichen: Einige ihrer jüngsten Bilder sind ebenso samtig, weich und dunkel.

Am schönsten sind die Gemälde von Amanda Lear, die ihrer Stimme gleichen: Einige ihrer jüngsten Bilder sind ebenso samtig, weich und dunkel. Aber die zierliche Blondine ist längst nicht auf alle ihre Werke stolz. Sie zeigt auf einen kitschig weißen Schimmel, der einen Knochenmann vor einem übergroßen Mond spazieren trägt: "Oh, dieses Bild mag ich nicht!" Welches sie denn mag? "Die schwarzen Sonnenblumen."

Vierzig Ölmalereien, entstanden in den Jahren von 1987 bis 2007, stellt derzeit die Berliner Galerie Friedmann-Hahn aus. Schon seit ihrer frühesten Jugend greift Amanda Lear zum Pinsel, betont sie. In den sechziger Jahren studierte sie an der Londoner Kunsthochschule. Einen Namen machte sich das Multitalent in erster Linie als Sängerin. Ihre laszive Popnummer "Follow me" wurde Mitte der Achtziger zum Megaseller. Man kennt Amanda Lear als Moderatorin (vor Verona Feldbusch gestaltete sie die Erotik-Show "Peep"), als vermeintliche Transsexuelle (Gerüchte, die sie heute energisch zurückweist) - und als eine der letzten lebenden Musen.

"Dalí hatte Mundgeruch"

Mick Jagger war ihr Bewunderer, David Bowie ihr Liebhaber. Ihr berühmtester Kunde? Alain Delon, der mit Lears Bildern sein Anwesen schmückt. Und selbst mit fast siebzig ist die Lear noch immer eine beeindruckende Erscheinung: Zum gedeckten Hosenanzug trägt sie Strass und Brillanten, das Viviane-Westwood-Täschchen im Schottenkaro hat sie perfekt auf die Schuhe, den lachsfarbenen Nagellack auf ihr Lipgloss abgestimmt.

Wie jede Muse inspirierte sie große Männer u Großem, doch in ihrem Fall war es manchmal auch gerade andersherum: Salvador Dalì war über 15 Jahre lang ihr Lehrer. Und das, obwohl er sie bei ihrem ersten Zusammentreffen kein bisschen beeindruckte, wie sie inzwischen gesteht: "Er machte mir ein Kompliment, ich dagegen hätte ihn am liebsten niedergeschlagen. Er war ein alter Mann, mindestens 75, und er hatte Mundgeruch."

Doch schließlich wurde der Meister des Surrealismus ihr Geliebter - sein Charme, seine sprühende Persönlichkeit hätten sie schließlich überzeugt: "Dalì war einfach das Zentrum des Universums, alles kreiste nur um ihn: Männer, Frauen - und natürlich Haarstylisten." Den Bildern seiner Muse zollte der "alte spanische Macho" (Lear) eher gemäßigte Anerkennung: "Er mochte keine Frauen, die malen. Als ich mich irgendwann getraut habe, ihm eins meiner Bilder zu zeigen, sagte er nur: Gar nicht so übel."

Gar nicht übel ist in der Tat Amanda Lears Sinn für Farben und Proportionen, ihre Selbstporträts sind innig, ihre Aktdarstellungen recht schwungvoll. Sie liebt dunkelrot, pechschwarz, blendendes Weiß. In ihren neueren Arbeiten sieht sie selbst Wut, Verzweiflung, Angst - doch nicht die Art von "Frustration", von "Obsessionen", die sie an ihrem einstigen Lehrmeister Dalì so kritisiert. Für sie sei Malen eine Therapie: "Andere trinken, nehmen Drogen oder werden fett. Da zeichne ich lieber!" Eine Therapie gegen die Träume, die sie verfolgen, seit sie ihren zweiten Mann Alain Philippe vor sieben Jahren bei einem Hausbrand in Süd-Frankreich verlor. Wer die Lear bittet, einzelne Bilder zu kommentieren, macht Bekanntschaft mit ihrem unerschütterlichen Selbstvertrauen, mit dem sie auch derartige Schicksalsschläge bewältigt.

Hommage an Van Gogh

Die schwarzen Sonnenblumen auf blutrotem Hintergrund etwa habe sie als eine Hommage an Van Gogh gemalt. Den Phönix-Vogel symbolisierten diese Blumen, der erst verbrenne, um dann neu und schön aus der Asche aufzusteigen. Amanda Lear schreckt weder vor großen Worten noch vor dem Vergleich mit großen Namen zurück. Strahlend wie ein junges Mädchen hängt sie dabei am Arm ihres 29-jährigen Begleiters, den sie als italienischen Schauspieler vorstellt. Seit sechs Jahren führten sie eine Fernbeziehung, in diesem Jahr hätten sie ihren ersten Valentinstag in Berlin verbracht, und - "huch!" - war der romantisch. Fast möchte man ihr glauben, wenn sie sagt, ihr Freund sei "etwa halb so alt" wie sie. Nach ihrem Geheimrezept gegen das Altern gefragt, muss sie jedoch selbst lachen: "Bloß nicht die Kerzen auf dem Geburtstagskuchen zählen!"

Galerie Friedmann-Hahn

, Wielandstr.14, Charlottenburg. 20.2.-20.5., Di.,-Fr., 15-19 Uhr, Sa., 11-16 Uhr. Preise: 8 000 - 15 000 Euro. www.galeriefriedmann-hahn.com