Barfuss steht Carolina Eyck vor dem Orchester, an einem eleganten Pult mit Knöpfen und zwei Antennen. Sie konzentriert sich auf eines der seltsamsten Instrumente der Musikgeschichte: das Theremin. Die junge Musikerin fasst die Antennen nicht an, sie holt die Töne - wie von Zauberhand - aus der Luft. Der ätherische, schwebende Klang ähnelt dem einer singenden Säge.
Der russische Physiker Lew Termen hat das erste elektronische Musikinstrument um 1920 erfunden. Jeder hat das Theremin schon gehört, zum Beispiel in der Titelmelodie der Serie "Raumschiff Enterprise". Abgesehen von Bohuslav Martinu und Edgar Varèse haben nur wenige klassische Komponisten das Instrument bedacht.
Carolina Eyck steht seit ihrem achten Lebensjahr mit dem Theremin auf der Bühne. Bei Lydia Kavina, der Großnichte des Erfinders, hat sie das Instrument gelernt. Heute ist die 19-jährige Interpretin und Komponistin in der 13. Klasse des Musikgymnasiums "Carl Philipp Emanuel Bach" und hat das erste deutschsprachige Theremin-Lehrbuch verfasst.
Mit dem Orchester ihrer Spezialschule (Leitung: Tilo Schmalenberg) spielte sie in der Französischen Friedrichstadtkirche die Uraufführung ihres Theremin-Konzerts "Ciani - Am wendischen Burgwall". Der Titel bezieht sich auf ein Schloss bei Cottbus. Mit folkloristischen Melodien schildert die Komponistin musikalische Bilder aus dem sorbischen Volksleben. Natürlich setzt sie die gleitenden, vibrierenden Klänge ihres Sieben-Oktaven-Instruments wirkungsvoll in Szene. Beim Wertungsspiel des Orchesters zum bundesweiten Wettbewerb der Jeunesses Musicales war das Theremin-Konzert der originellste Beitrag.
MaH

