Es war eine typische Blitzkarriere. Vor drei Jahren waren Evanescence noch weitgehend unbekannt. Dann erschienen zwei Beiträge zum "Daredevil"-Soundtrack - schon waren sie Stars. Die Band aus Arkansas arbeitet seitdem mit schwermetallischen Gitarren und harten Rhythmen, hat in Sängerin und Pianistin Amy Lee aber auch eine Frau in ihren Reihen, die Gefühl und Drama verkörpert. Hinzu kommen Andeutungen von Mystizismus, Theaterdonner und sakralem Ernst.
Zwischenzeitlich hat sich personell einiges verändert. Lee trennte sich von Partner, Songschreiber und Gitarrist Ben Moody und der sich dann von der Band. Terry Balsamo ersetzt ihn, am Bass steht mit Tim McCord ebenfalls ein neuer Mann. In dieser Besetzung präsentierten Evanescence ihr neues Album "The Open Door" in der nahezu ausverkauften Columbiahalle. "Sweet Sacrifice", der erste Song der Platte, steht am Beginn des Konzerts. Es ist ein für Evanescence typisch aufbrausender Rocksong, in dem zugleich viel Wehmut steckt. Es folgen mehrere Stücke dieser Art, ehe Lee sich ans Piano setzt und romantische Balladen intoniert. Damit ist die Geschichte des Abends praktisch schon erzählt. Brav und routiniert spielen Evanescence ihr gleichförmig wirkendes Programm herunter. Überraschungen bleiben aus. Das Publikum nimmt es zunächst hin und amüsiert sich beim Mitsingen vornehmlich älterer Songs.
Nun ist es ja entschuldbar, wenn einem Konzertabend der große Kitzel fehlt. Nicht jede Hitband verfügt über Nacht automatisch über Live-Qualitäten. Wenn man aber nach 50 Minuten von der Bühne geht und nur zwei Songs als karge Zugabe liefert, wird es problematisch. Am Ende sind in der Columbiahalle Pfiffe zu hören, und die sind berechtigt.
huf

