Schon am Anfang ist klar: Das wird kein gewöhnliches Konzert. Ben Harper und seine Band, die Innocent Criminals, eröffnen ihren Auftritt im prall gefüllten Tempodrom mit einer kühnen Behauptung. "Ich kann die Welt mit meinen eigenen Händen verändern", heißt es in "With My Own Hands" optimistisch. Der Reggae-Rhythmus geht in die Beine, die Melodie erinnert an Bob Marley. Der Song hat Überlänge, so als ob der Sänger sich der Fähigkeiten auf dem Gebiet der Weltverbesserung versichern will. Die Botschaft kommt an.
Harper ist bisher nie ganz oben in den Charts auftaucht. Live wird der Mann aber immer mehr zu einer Attraktion. In seinen Shows steckt der Geist der Marathonveranstaltungen von Woodstock bis "Rockpalast". Über zwei Stunden stehen der Kalifornier und seine fünf exzellenten Musiker auf der Bühne. Langweilig wird es dabei nie, weil das musikalische Spektrum betont breit anlegt ist. Nach dem Reggae-Intro folgen Verweise auf harten Bluesrock, den Soul der amerikanischen Südstaaten, intimen Folk und - mit "Steal My Kisses" - Country.
Natürlich hat Harper auch eine neue Platte im Gepäck. "Both Sides Of The Gun" ist in zwei Hälften aufgeteilt. Die besinnliche enthält persönliche Songs, die lebhafte wütenden Protestrock gegen die Waffenlobby oder das Versagen in New Orleans nach Katrina. Auf beide Teile geht das Konzert mit längeren Songstrecken ein. Es endet, wie es begonnen hat. Statt Reggae ertönt psychedelische, mit indischen Einflüssen versetzte Musik, doch die Aussage klingt vertraut: "I believe in a better way". Harper spielt die Rolle des alten Weltverbesserers so überzeugend wie kein anderer im Rock. Nach dem Konzert glaubt man wieder an das Gute im Menschen und in der Musik.
huf

