Das Wort «Karriere» hört er gar nicht gern. «Das klingt für mich zu bürgerlich», erklärt der Finne Topi Lehtipuu, der auf verschlungenen, unkonventionellen Lebenswegen zum gefragten Tenor geworden ist. Heute gibt er sein Berlin-Debüt in der von der Berliner Morgenpost präsentierten Reihe «Kammerorchester international». Unter der Leitung von William Christie singt er die Tenorpartie in Händels «Messias». Er freut sich über die erste Zusammenarbeit mit dem Spezialisten für Alte Musik und dem französischen Barockensemble Les Arts Florissants.
Den «Messias» hat er schon oft interpretiert - mit modernem und historischem Instrumentarium. «Die Barockensembles sind kleiner und schaffen deshalb eine intimere Atmosphäre. Die Dialoge zwischen Orchester und Solisten können intensiver gelingen, und man hat die Möglichkeit, etwas ausdrucksvoller zu singen als mit modernen Instrumenten.» Mit Händels Oratorium war er vergangenes Jahr schon mit Sir Eliot Gardiner auf Tournee. In Lausanne und Montpellier sang er den Aeneas in Cavallis «Didone» gesungen.
Als «Zauberflöten»-Tamino war er in seiner Wahl-Heimat Paris zu erleben, mit Brittens «Albert Herring» in Helsinki. Alte und Neue Musik bilden die Schwerpunkte in Lehtipuus Repertoire. «Ich habe vorher als Geiger viel Bach und Vivaldi gespielt. Im Rundfunk-Kammerchor Helsinki habe ich zeitgenössische Kompositionen gesungen. Diese Musik war mir immer vertraut.»
Erst mit 26 Jahren hat sich Topi Lehtipuu entschlossen, Sänger zu werden. Davor studierte er Geige und Klavier. Seinen Abschluss an der Sibelius-Akademie in Helsinki machte er als Chorleiter. Daneben nahm er Privatstunden bei den Tenören Peter Lindroos und Howard Crook. Diverse Chöre und eine Rockband hat er geleitet. Er schrieb musikalische Arrangements fürs finnische Fernsehen und vertonte Zeichentrickfilme.
Seit fünf Jahren konzentriert er sich nun ganz aufs Singen. In den nächsten Monaten sind Mozarts «Entführung aus dem Serail» an der Nationaloper in Helsinki, Händels «Alcina» in Montpellier, eine Tournee mit dem Freiburger Barockorchester und Monteverdis «Orfeo» mit Rene Jacobs in Innsbruck geplant. Auch wenn er es selbst nicht «Karriere» nennt - die wachsende Begeisterung für den jungen Tenor spricht für sich. mig
Konzerthaus, Gendarmenmarkt, Mitte. Heute, 20 Uhr, Karten Tel.: 203 09 21 01

