Status Quo: Im Viervierteltakt in die Siebziger

Draußen fällt der erste Oktober-Schnee. Nicht mal auf das Wetter ist mehr Verlass. Alles ist unsicher geworden: Arbeitsplatz, Wirtschaftsaussichten, das Abzahlen des Bausparvertrages. Wie gut, dass es noch Kontinuitäten gibt, in denen man die ganze neumodische Welt für zwei Stunden wegsperren kann.

Columbiahalle, Sonntagabend. Drinnen dampft es nach Bier und Lederjacken und Jeans, schulterlange, mit den Jahren lichter gewordene Haare und kräftige Schnauzer stehen friedlich nebeneinander und lassen ein Jahrzehnt hochleben, in dem man Zweitautos und Plattenspieler kannte und im Partykeller vor der neuen Stereoanlage das lange Haupthaar schütteln konnte zu Rockmusik, die so schnöde und fröhlich geradeaus schnaufte wie der gerade gekaufte Opel Rekord.

Es ist immer wieder erstaunlich, wie die Jungs von Status Quo diese Zeit bewahren - stur und geradlinig wie ihr stampfender Boogie-Rock. Die Herren Rossi und Parfitt haben die 50 längst überschritten. Doch was soll's? Status Quo geben ihren Fans das, was sie hören wollen. Seit mehr als 30 Jahren! Egal, dass mal wieder eine neue Platte auf dem Markt ist, die «Heavy Traffic» heißt und mit Straßenlärm und rotierenden gelben Verkehrslampen auf der Bühne angekündigt wird!

Denn Quo verkehren nun mal in den Siebzigern: Der Opener «Caroline» gibt die Marsch-Richtung, man rockt sich Mähnen und Gitarren schwingend durch «Down Down» und «Rockin' All Over The World», «Roll Over Lay Down» und «Again and Again», Feuerzeuge flammen auf bei «Most Of The Time» und zum Evergreen «Gerdundula» formieren sich Rick Parfitt, Francis Rossi, Rhino Edwards und Andy Bown gar zum flotten Gitarren-Vierer.

Immer geradeaus geht es im Viervierteltakt durch die Siebziger! Mit «Bye Bye Johnny» zieht ein glückliches Publikum kurz vor Mitternacht fröhlich nach Hause. Draußen ist der Schnee längst wieder geschmolzen. eve