Eines der größten Mordrätsel der Kunstgeschichte scheint jetzt gelöst. Der britische Kunsthistoriker Andrew Graham-Dixon will herausgefunden haben, dass der Renaissance-Maler Caravaggio (1571-1610) einen Nebenbuhler bei einem Kastrationsversuch tötete. Bislang war angenommen worden, dass der Maler homosexuell veranlagt war. Doch Graham-Dixons Forschung legt nahe, dass Caravaggio zumindest für einige Frauen heißblütige Gefühle gehegt haben muss.
Bislang waren Kunsthistoriker davon ausgegangen, dass Caravaggio mit Ranuccio Tomassoni nach einem Tennisspiel in einen Streit geraten war, der mit einem Mord endete. Caravaggio floh daraufhin aus Rom. Der britische Kunsthistoriker hat im Vatikan und in den römischen Staatsarchiven die Unterlagen über Tomassonis Ermordung erneut unter die Lupe genommen. Danach war Tomoassoni, der Zuhälter der Prostituierten Fillide Melandroni, an einer Schnittwunde im Oberschenkel verblutet.
Aus Straßenkämpfen herrührende Wunden deuteten im Rom des 16. und 17. Jahrhunderts immer auf bestimmte Vorfälle hin. Wer glaubte, dass sein Ruf verletzt worden war, fügte seinem Gegner eine Wunde im Gesicht zu. War der Ruf der Ehefrau oder Geliebten verletzt worden, wurde der Gegner kastriert.
Der Tod von Caravaggio im Jahre 1610 gibt weiterhin Rätsel auf. Auf der Flucht in Malta war der Maler mit einem Adligen in ein Gefecht geraten. Nun wird angenommen, dass entweder der Adlige oder rachsüchtige Angehörige von Tomassoni den Maler in Porto Ercole ermordeten. SAD

