Erst Gudrun Ensslin, jetzt die Päpstin

Jetzt ist auch Franka Potente aus dem Rennen. Erst wurde Volker Schlöndorff unschön per Mail aus seinem Lieblingsprojekt "Die Päpstin" geschasst.

Jetzt ist auch Franka Potente aus dem Rennen. Erst wurde Volker Schlöndorff unschön per Mail aus seinem Lieblingsprojekt "Die Päpstin" geschasst. "An Franka Potente würden wir gerne festhalten", hatte die Constantin damals, im Juli 2007, noch verkündet. Nach dem neuen Regisseur Sönke Wortmann gab die Filmfirma nun aber auch eine neue Hauptdarstellerin bekannt: Johanna Wokalek. Die stand eben noch in dem anderen Constantin-Großprojekt, Bernd Eichingers "Baader Meinhof Komplex", als RAF-Terroristin Gudrun Ensslin vor der Kamera (Kinostart: 25. September). Nun wird sie in die Kutte der Johanna von Ingelheim steigen, die anno 853 zum Papst gewählt worden sein soll.

"Die Päpstin" stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Acht Jahre hat Schlöndorff an der Verfilmung von Donna Cross' Erfolgsroman getüftelt. Erst mit und Senator - was 2001 an deren Insolvenz scheiterte. Dann mit Eichinger, was durch eine geplante Konkurrenz-Adaption ins Stocken geriet. Endlich schien mit der Constantin die Finanzierung gesichert und mit Franka Potente auch ein internationales Zugpferd gewonnen. Doch der Drehstart, erst für Januar, dann für Mai 2007 angekündigt, musste ausgesetzt werden, weil Darsteller John Goodman überraschend absagte. Dann polemisierte Schlöndorff in der "Süddeutschen" über die Zumutung, einen Kinofilm fürs Fernsehen auf doppelte Länge zu bringen, wodurch er sich "zum Schludern gezwungen" sah. Das ließ die Constantin nicht auf sich sitzen. Da sie die Rechte an Cross' Roman gekauft hatte, konnte sie nun locker den eigentlichen Vorantreiber des Projekts schassen. Und wählte Wortmann: ein Garant von Kassenhits ("Der bewegte Mann", "Deutschland - ein Sommermärchen"), aber beileibe kein Autorenfilmer vom Format des Oscar-Preisträgers ("Die Blechtrommel"). Wokalek, am 3. März 1975 geboren, ist gerade mal ein halbes Jahr jünger als Franka Potente. Ihre Konkurrentin ist gleichwohl wesentlich länger im Filmgeschäft, war jahrelang deutscher Publikumsliebling ("Anatomie", "Lola rennt") und hat sich auch internationale Meriten verdient ("Die Bourne Identität", "Blow"). In Cannes wird gerade ihr jüngster Film gezeigt, Steven Soderberghs Epos über Che Guevara, in dem sie die Tamara Bunke spielt.

Wokalek ist erst vor zwei Jahren als Shooting Star auf der Berlinale gefeiert worden. Charaktermimin war sie da längst; nur eben eher auf dem Theater. Schon mit 21 war sie festes Ensemblemitglied des Wiener Burgtheaters. Ihre erste Kinorolle spielte sie in "Aimée & Jaguar", bekannt wurde sie 2003 mit "Hierankl" und zwei Jahre später neben Til Schweiger in "Barfuß". Seitdem ist sie auch im Kino präsent. Neben "Komplex" kommen demnächst auch der Thriller "Weiße Lilien" und das Bergsteigerdrama "Nordwand" in die Kinos. "Die Päpstin" wird ihre erste veritable Kinohauptrolle, mit der sie ganz allein eine Großproduktion tragen muss. Wokalek muss sich dabei nicht nur den Vergleich mit der Potente gefallen lassen, sondern auch noch mit Weltstar Liv Ullmann. Die hat bereits 1972 die Titelrolle in "Päpstin Johanna" gespielt; eine Großproduktion, die freilich noch nicht auf Cross' Roman basierte.