Mit seinen breiten Gehwegen ist der Kurfürstendamm die schönste Flaniermeile der Stadt. Vor und zwischen den beiden Weltkriegen lockten renommierte Theater, Kinos, Tanzlokale oder Cafés Besucher auf die 53 Meter breite Vergnügungsmeile, die nach dem Vorbild des Pariser Champs-Elysées angelegt wurde.
Das erste Gebäude am Kurfürstendamm trägt die Schnapszahl 11 und kommt mit seiner grauen Fassade eher unspektakulär daher. Ein Stück weiter, am Haus Nummer 15, erinnert eine Gedenktafel an das bis 1986 dort befindliche Lokal "Mampes gute Stube". Der Vorgänger von "Marché" war das Lieblingslokal des Schriftstellers Joseph Roth. 1932 schrieb er dort seinen Roman "Radetzkymarsch".
Dreh- und Angelpunkt am Kurfürstendamm ist die Kreuzung Joachimstaler Straße. Vom legendären Café Kranzler hat man immer noch einen guten Blick auf die belebte Verkehrsachse. Leider liegt das Café etwas versteckt im dritten Stock.
Markantestes Gebäude auf dem Viktoria-Areal ist der moderne Glaspalast des Chicagoer Stararchitekten Helmut Jahn. Gleich daneben findet sich das Hotel am Zoo (Nummer 25). Seit 1910 empfängt das ursprünglich als repräsentatives Wohnhaus errichtete Gebäude Gäste, darunter Erich Kästner, Heinrich Mann und Konrad Adenauer.
Daneben fällt die tempelähnliche Fassade der ehemaligen Filmbühne Wien ins Auge. Das einstige Premierenkino wurde im Jahr 2000 geschlossen und umgebaut. Bis zum 27. April gastiert in den Räumen eine Ausstellung mit Werken des surrealistischen Malers Salvador Dalí.
Berühmte Gäste im Kempinski
Die Grande Dame der Hotellerie erwartet Spaziergänger an der nächsten Ecke: das Kempinski, in dem schon so illustre Gäste wie Sophia Loren, der Dalai Lama oder Fidel Castro übernachteten.
Fast alle großen Namen der Modewelt haben sich zwischen Knesebeckstraße und Adenauerplatz eingefunden. Dort ist Einkaufen von Nobelmarken angesagt - oder auch nur Schaufenstergucken, um in punkto Mode auf dem Laufenden zu sein.
An der Ecke Lewishamstraße steht mit 2,70 Metern Breite das schmalste Hochhaus der Stadt. Der Entwurf stammt ebenfalls vom Architekten Jahn.
Hinter dem Adenauerplatz schmuggeln sich immer mehr Geschäfte zwischen noble Adressen, die die Anwohner mit dem versorgen, was sie zum täglichen Überleben benötigen. Dabei wechseln die Geschäfte ab und zu ihren Standort. Dieses Bäumlein-wechsle-dich-Spiel ist derzeit im Bereich zwischen Halensee und Adenauerplatz zu beobachten.
Hinter den S-Bahnhof Halensee geben repräsentative Altbauten mit Vorgärten einen Eindruck von der so genannten Kudamm-Architektur. Sie prägte bis zum Zweiten Weltkrieg den 3,5 Kilometer langen Boulevard, der bevorzugte Adresse der Prominenz war. Robert Koch, August Aschinger oder Tilla Durieux wohnten dort. Das 1913 erschienene Jahrbuch der Millionäre erwähnt 120 von ihnen mit Wohnsitz am Kudamm.
Eine Verkehrsinsel mit der seit Jahrzehnten umstrittene Skulptur "Beton-Cadillacs" von Wolf Vostell bildet den westlichen Abschluss des Boulevards. Wer vom Pflastertreten müde ist, kann den Rückweg per Bus antreten.
Imbissbude mit Kultstatus
Einen Stopp ist aber auf alle Fälle der Imbiss am Kudamm 197 wert. Die Currywurst dort hat Kultstatus. Showgrößen wie Siegfried und Roy, Tom Cruise oder Politiker wie Helmut Kohl und Gerhard Schröder verewigten sich auf der Gästetafel. Von den Stehtischen kann man zudem Josef Erbens Skulptur "Pyramide" betrachten. 1987 im Rahmen der 750-Jahrfeier errichtet, war die Installation Teil des Skulpturenboulevards und blieb nach der Ausstellung erhalten.
Vorbei am Kudamm-Karree mit zwei Boulevard-Theatern und der Dauerausstellung "Story of Berlin" erreicht man an der Ecke Uhlandstraße das deutsch-französische Kulturzentrum Maison de France. Es ist eins von zwei Lichtspielhäusern, das dem Sog zur neuen Mitte widerstand. Auf dem Rückweg kommt man an mehreren Kinos vorbei, in deren Foyers man nun shoppen kann, darunter das 1912 eröffnete Marmorhaus, in dem 1919 "Das Kabinett des Dr. Caligari" Welturaufführung hatte.
Letztes Haus am Kurfürstendamm ist der markante Rundbau an der Ecke Rankestraße (Nummer 237). 1913-14 errichtet, bildet er einen imposanten Abschluss.

