Das Dorf der Prominenten hinter der Avus

Sie liegt nur einen Katzensprung vom Kurfürstendamm entfernt und ist doch eine ganz eigene Welt.

Sie liegt nur einen Katzensprung vom Kurfürstendamm entfernt und ist doch eine ganz eigene Welt. Die Siedlung Eichkamp, ab 1918 am Rande des Grunewalds erbaut, ist ein Dorf mit Bahnanschluss. Die alte Flurbezeichnung "Wilmersdorffische Eichelkamp" bescherte ihm den Namen.

Bedeutende Architekten wie Max und Bruno Taut, Wilhelm Büning und Otto Pflug entwarfen die Häuser der Siedlung, die der Philosoph Ludwig Marcuse (er wohnte im Haus Eichkatzweg 31) einst als "lichtes Berliner Dörfchen mit kindlich-schlichten Straßen und Häusern" bezeichnete.

Die Idylle mit Reihen- und Doppelhäusern und schmalen Straßen lockte auch Prominente an, darunter Arnold Zweig (Zikadenweg 59), Max Taut (Lärchenweg 15) und Herta Heuwer, die Erfinderin der Currywurst (Eichkatzweg 54).

Wir starten am S-Bahnhof Grunewald und spazieren vorbei an der Waldklause und dem evangelischen Studentenwohnheim der TU Berlin in den Dauerwald- und den Falterweg. Hier und in den parallel gelegenen Straßen Im Hornisgrund und Eichkampstraße stehen viele Doppelhäuser von Curt Gorgas, die Gesamtanlage ist denkmalgeschützt. Wir laufen bis zum Ende der Sackgasse, gehen zurück auf den Dauerwaldweg und biegen wenig später in den Hornisgrund ein. Hier lebte in Nummer 25 die Frauenrechtlerin und Politikerin Marie-Elisabeth Lüders, nach der ein Bundestagsgebäude im Regierungsviertel benannt wurde. An der Alten Allee halten wir uns rechts und biegen wenig später in den Eichkatzweg ein, in dem einige Doppel- und Reihenhäuser von Max Taut und Franz Hoffmann stehen (Nr. 19-25, erbaut zwischen 1919 und 1923).

Am Maikäferpfad wandern wir links und gleich wieder rechts in die Straße Am Vogelherd. In der ganzen Siedlung lohnt immer wieder der Blick auf reizvolle Details an den Häusern - von monumentalen Giebeln über Art-Deco-Türen bis zu Mustern an den farbigen Fensterläden. An der Ecke Waldschulallee treffen wir auf den Weg zum S-Bahnhof Messe Süd (Eichkamp) - das Gebäude wurde 1927 bis 1931 von Richard Brademann im Stil der Neuen Sachlichkeit mit roten Klinkern erbaut.

Hier trainierten die WM-Fußballer

Von der Waldschulallee machen wir einen Abstecher zur Gedenktafel für den Dramatiker Arnold Zweig am Zikadenweg 59, kehren zurück und erreichen das denkmalgeschützte, 1930 von Fred Forbat erbaute Mommsenstadion mit dem charakteristischen Tribünenbau. Hier wurden während der Olympischen Spiele 1936 Vorrundenspiele des Fußballturniers veranstaltet und mehrfach war es Austragungsort des Internationalen Stadionfestes (ISTAF). Bei der Fußball-WM 2006 trainierte hier die deutsche Nationalmannschaft.

Gleich dahinter erheben sich die Häuser des Internationalen Studentenwohnheims Eichkamp, das ab 1958 entstand.

An der Marienburger Allee betreten wir die Siedlung Heerstraße. Erste Entwürfe einer Gartenstadt fertigte Max Taut 1919 an, Bruno Möhring entwarf ein Jahr später 200 Siedlungshäuser auf einer kleineren Fläche. In der Marienburger Allee 43 wohnten einst der Psychiater Karl Bonhoeffer und sein Sohn Dietrich, im Haus traf sich der Widerstandskämpfer mit Klaus und Hans von Dohnanyi und Rüdiger Schleicher. Dietrich Bonhoeffer wurde hier am 5. April 1943 von der Gestapo verhaftet. Heute ist das Haus Erinnerungs- und Begegnungsstätte.

Besuch im Waldmuseum

Über Soldauer und Neidenburger Allee wandern wir zurück zur Waldschulallee und rechts in die Harbigstraße, vorbei an Sportanlagen und Kleingärten. Am Maikäferpfad halten wir uns links und erreichen den Kühlen Weg. Seine Nähe zum "kühlen Wald" gab ihm den Namen. Am Kiefernweg geht es links und rechts in den Zikadenweg. Über Alte Allee, Rottannenweg und Dauerwaldweg wandern wir zum Schmetterlingsplatz an der Eichkampstraße. Von hier lohnt ein Abstecher zum 1973 gegründeten Waldmuseum. Es bringt Stadtmenschen die Natur auf spannende Weise näher, mit Angeboten von der Nachtwanderung bis zum Familienwaldtag.

Zurück am S-Bahnhof folgen wir dem Schild "Gleis 17". Hier erinnert ein Mahnmal an die Deportationen von mehr als 50 000 Juden von diesem Ort aus. Bäume überwuchern die geborstenen Schienen. Metallplatten nennen Bestimmungsorte, Daten und Opferzahlen - eine Statistik des Schreckens, die tief berührt.