Es wird bei dieser Berlinale bisher wenig über Sex geredet. All die Musikdebatten, die Altrocker auf dem Grauen Teppich, die rückläufigen Kinozahlen, ei, ei, ei. Wo bleibt denn da die Satisfaction? Erfahrene Festivalbesucher wissen: Das mit der erotischen Abstinenz war nicht immer so. Filmboss Kosslick hat einmal Sex sogar als Themenschwerpunkt ausgerufen, für die Berlinale wirkte sich das fast so stimulierend aus wie der Kalte Krieg. Deshalb heute der erste Teil der Morgenpost-Sex-Debatte.

Die Sektion Forum ist zumindest ordentlich gestartet. Die "Green Porno"-Kurzfilme haben überhaupt nichts mit Al Gore zu tun, sondern mehr mit dem Liebesleben von Weichtieren und Insekten. Isabella Rossellini tritt hier als Regenwurm, Libelle, Glühwürmchen auf und erläutert die Fortpflanzung. Als Schnecke trägt sie ein Haus, man darf sie also keinesfalls eine Nacktschnecke nennen.

Schleim hin, Schleim her: Weichtiere sind eine edle Gattung. Besonders fein raus - ich habe extra Lehrbücher gewälzt - sind Pantoffelschnecken. Sie haben in jungen Jahren männliche Geschlechtsorgane, fortgeschrittene Semester bilden dann weibliche Geschlechtsorgane aus. Junge Hüpfer vergnügen sich mit reifen Damen, oho, Pantoffelschnecken sind also fast wie Ashton Kutcher und Demi Moore, eine weise Erfindung von Mutter Natur.

Ich weiß jetzt aber nicht genau, ob das etwas mit "Green Porno" zu tun hat. Isabella Rossellini spielt nämlich immer die Männchen, die weibliche Spinne ist vier Mal so groß wie der Kerl, das war der Schauspielerin zu viel. Method-Acting! Sie hat der "taz" erklärt: "Die Gottesanbeterin frisst während des Akts den Kopf des Männchens. Dessen Nervensystem ist so eingerichtet, dass es auch ohne Kopf noch weiter Sex hat. Das Weibchen kaut auf dem Kopf des Männchens herum, aber der Akt geht weiter."

Ich kenne mich mit den echten Pornofilmen nicht aus, aber Kopfabbeißen während des Aktes kommt da bestimmt nicht vor. Es wäre für die männlichen Darsteller auch total entwürdigend, wenn sie auf ihr Geschlechtsteil reduziert würden.

Holger Kreitling