Vor 20 Jahren löste Cyndi Lauper eine Revolution aus, "Girls Just Want to Have Fun" sang die grell auftoupierte Schreckschraube damals. Die legitimen Lauper-Erbinnen Spice Girls, Christina Aguilera oder Pink haben den Mädels inzwischen klar gemacht, dass es okay ist, sich wie eine Hure zu kleiden oder Jungs zu verprügeln. Cyndi Lauper meldet sich nun, fünf Jahre nach ihrem letzten richtigen Album, grandios aus der Versenkung zurück. Aus dem Giftzwerg mit löchriger Netzstrumpfhose ist ein wunderschöner Nachtfalter geworden, der im ausverkauften Quasimodo Pop-Standards singt.
Der intime Ort scheint passend für diese Kammermusik mit Geige, Flügel, Akustik-Gitarre und Jazzgebläse. Und doch ist er eigentlich zu klein für Laupers riesige Stimme, die in den lang ausgehaltenen Höhen Boxen und Trommelfelle machtvoll zum Vibrieren bringt. Sie bricht dann auch ihre herzerweichend traurige Lesart von Burt Bacharachs "Walk On By" mittendrin ab, um blöde Plappermäuler am Bühnenrand erbost vor die Tür zu schicken. Für einen kurzen Moment wirkt die 50-Jährige da wie eine herrische Klavierlehrerin, aber keinesfalls wie eine arrogante Diva. Cyndi Lauper meint es ja auch nur gut mit ihrem erstaunten Publikum. Sie seufzt als Berlin-Referenz weise Marlene Dietrichs "Falling in Love Again" und tanzt am Ende des Konzerts gar auf dem Tisch: Der altbackene Schunkler "On the Sunny Side of the Street" wird zum Dancehall-Reggae. Auch erwachsene Frauen wollen schließlich ihren Spaß haben.
j.e.


