Mark Oliver Everett ist vielleicht der größte lebende Kauz der Rockgeschichte. Seit sieben Jahren liefert er mit seiner Band Eeels den Soundtrack zum verschrobenen Lebensgefühl und eine krisengebeutelte Generation wippt mit. Im ColumbiaFritz tritt sich alles, was auf Indie und Blues steht, hibbelig auf die Füße. Der Club ist mit "Bitte-nicht-rauchen-Schildern" gepflastert. Mr. E findet Nikotin nicht mehr sexy - seit seine Mutter an Lungenkrebs gestorben ist. Überhaupt ging es dem Mann nicht gerade gut in den letzten Jahren. Während der Tour zum Debütkracher "Beautiful Freak" beging seine Schwester Selbstmord. Die Rettung war die Musik. Morbid-schöne Platten wie "Electro-Shock Blues" oder "Daisies of the Galaxy" ersetzten den Therapeuten. Anscheinend erfolgreich.

Die dreiköpfige Band plus Roadie mit Scheinwerfer betreten die Bühne. Das Intro von "All In A Day's Work" setzt ein, der Lichtkegel fährt durch den Raum. Und da hockt er: in der hintersten Ecke des Clubs auf dem Merchandising Stand. Mundharmonika quäkend springt Mr. E. durchs Publikum, erklimmt die Bühne und rockt los. Selten klangen die Eels so sehr nach Power-Pop wie heute nacht. Mr. E hat seine Songs freigepustet und dreckig laute Dreieinhalb-Minuten-Nummern entdeckt. "Novocaine for the Soul" wird zum Schweinerock, "Lone Wolf" zur Selbstmitleidsballade mit großem Augenzwinkern. Mr. E. lebt seinen Punk. Und Berlin jubelt sich die gewärmte Seele aus dem Leib, während er das famose "Somebody loves you" anstimmt. Die Zukunft des Rocks ist launisch, na und? Heute Nacht war sie himmelhochjauchzend gut drauf.

mer