Scheinwerfer flackern grell und abrupt. Auf dem Bühnenhintergrund glänzt silberfarbener Lack. Die drei Musiker sind alle schwarz gekleidet. Irgendwie fühlt man sich als Besucher beim Konzert von Placebo in der ausverkauften Columbiahalle wie in einer Rockdisco früherer Jahre.
Das ist kein Zufall. Sänger Brian Molko (aus Kanada), Gitarrist/Bassist Stefan Olsdal (aus Schweden) und Schlagzeuger Steve Hewitt (aus England) dürfen für sich in Anspruch nehmen, mit Alben wie "Without You I'm Nothing" von 1998 das Revival der achtziger Jahre bereits eingeläutet zu haben, als es dieses Revival überhaupt noch nicht gab.
Neu ist, dass die Band inzwischen auch ihre sensible Seite nach außen kehrt. Der Song "Protect Me From What I Want" beispielsweise beginnt im Walzerrhythmus und endet mit einem Mundharmonikasolo. Die Worte in "Sleeping With Ghosts" will Brian Molko, seiner gefühlsduselnden Bühnenansage nach zu urteilen, als Gegengewicht zu Kriegstreiberei und Hass verstanden wissen.
Mit "Special Needs" haben Placebo sogar eine richtige Ballade im Programm. Und Songs wie "English Summer Rain" oder "Taste In Men" treiben elektronische Rhythmen zum Tanzen an. Die Stilvielfalt unterstreicht die Entwicklung einer Band, der man angesichts ihres Namens - ein Placebo ist ein wirkstoffloser Medikamentenersatz - zu Anfang der Karriere im Jahr 1995 nicht viel zugetraut hatte. Doch das volle Haus und gute Notierungen in den Charts sprechen eine andere Sprache. Umso unverständlicher, dass Placebo nicht viel vom Dienst am Kunden halten. Sie spielen das aktuelle Album "Sleeping With Ghosts" nahezu vollständig runter, gehen nach knapp einer Stunde zum ersten Mal von der Bühne.
In dieser kurzen Zeit hatten die zahlreichen Besucher kaum Gelegenheit, eine Party zu feiern. Das stimmt nachdenklich. An der Präsentation eines zeitlosen Gesamtwerks zeigt die Band keinerlei Interesse. Dabei ist es eine Frage des Anstands, kommerzielle Motive nicht so offensichtlich nach außen zu kehren. Pathetischer Glam Rock lebt von Pathos, von Glamour, von sich aufschwingendem Gefühlskrach. Brian Molko war geschminkt wie immer, sein Gesicht: eine Maske. Zu wenig.

