"Ihr seht gut aus", ruft Vicki Peterson routiniert ins Dunkel des ColumbiaFritz. Das Publikum regt sich lautstark, dann erhellen Scheinwerfer den Saal. "Seht ihr wirklich gut aus?" schiebt die Gitarristin blinzelnd hinterher. "Ich habe meine Brille nicht auf." Der Lauf des Lebens fordert eben auch von den Bangles seinen Tribut, aber da stehen die vier kalifornischen Rockmusikerinnen drüber. Die Röcke sind so kurz wie früher und die Lust am Comeback steht allen vieren ins Gesicht geschrieben.
Mit ihrem Mix aus Sixties-Pop, Twanggitarren und glasklaren Harmoniegesängen bewegten die Bangles mit Überschwang und Enthusiasmus in den Achtzigern die Herzen der Rock- wie Popfans gleichermaßen. Nach nur gut drei Jahren gingen sie 1989 getrennte Wege. Die Übermacht von Frontfrau Susanna Hoffs und der Unmut über die Zwänge des Musikbusiness trieben einen Keil zwischen die Freundinnen. Bei einer Gala zu Ehren von Beatles-Produzent George Martin traten die Bangles 1999 erstmals wieder gemeinsam auf, gingen auf US-Reunion-Tour, veröffentlichten nun mit "Doll Revolution" eine überraschend frische CD.
Auch auf der Bühne entsteht keinen Moment lang dieser Ruch nostalgischer Peinlichkeit, der so mancher Band-Wiedervereinigung anhaftet. Vicki Peterson soliert vorsichtig pointiert über Susanna Hoffs Rickenbacker-Akkorden. Michael Steele am Bass und Debbi Peterson am Schlagzeug halten den Beat zusammen. Und alle vier singen in wunderschöner Harmonie. Musik nur für Erwachsene. Die neuen Songs fallen kaum auf zwischen den alten Erfolgen. Bei "Manic Monday" verfallen die Bangles in Velvet Undergrounds "Waiting For My Man", "Walk Like An Egyptian" zitiert im Mittelteil Simon & Garfunkels "Mrs. Robinson". Und nach einer Stunde ist alles vorbei. Als letzte Zugabe gibt's die Schmachtballade "Eternal Flame". Kurz, knapp, erschöpfend.
pem

