Was ist schlimmer, als die Reste von 20 Mordopfern aus einem seit Jahrzehnten verschlossenen Massengrab zu bergen? Zum Beispiel, die Leiche einer kürzlich verschwundenen jungen Frau aus einer überlaufenden Sickergrube zu holen. In ihrem neuesten Fall hat es die Gerichtsanthropologin Tempe Brennan wahrlich nicht leicht. Ihre Erfinderin Kathy Reichs, selbst forensische Knochenexpertin und nebenbei noch Bestsellerautorin, schickt sie nach Guatemala, wo sie zwischen faszinierenden Polizisten und abstoßenden Staatsanwälten ermitteln muss. Nervende Reporter erschweren ihr die Arbeit ebenso wie ein Serienkiller, der es auf junge Frauen aus der Oberschicht abgesehen hat. Ein sexsüchtiger Botschafter, seine untreue Ehefrau und ihre drogensüchtige Tochter geben dem Ganzen die gesellschaftliche Würze. Und die Auflösung des Falls ist dann auf brisante Art politisch aktuell. Romane wie "Knochenlese" wünscht sich der von den jüngsten Kay-Scarpetta-Bänden enttäuschte Krimifreak - zumal das neueste Brennan-Abenteuer so rasant geschrieben ist, dass man es trotz 384 Seiten in wenigen Tagen durchlesen kann. Nun denn: Schönes Knochen-Ende!

Kathy Reichs: Knochenlese. Aus dem Amerikanischen von Klaus Berr. Blessing Verlag, München. 384 S., 23 Euro