Beat des Lebens

Ein wenig hängt ihm die Müdigkeit nach der langen Nacht noch um die Augen. Trotzdem gibt sich DJ Tomekk am frühen Morgen gut gelaunt. In einem der zahlreichen Cafés in Schöneberg, wo der 27-Jährige seit langem wohnt und ein Tonstudio hat, will sich der HipHopper mit Markenzeichen Kassengestell nun ein ausgiebiges Frühstück genehmigen. Mit einem gesunden Müsli und frischem Obst startet er in den Tag.

In seinen Musikvideos mimt Tomek Kuklicz gerne den harten Typen, der von knapp bekleideten Frauen umschwärmt wird, der um keinen provozierenden Spruch verlegen ist und auch schon mal zuhaut, wenn's sein muss. Diese Rolle will allerdings gar nicht so recht zu seinem zuvorkommenden und freundlichen Wesen passen, das er im Gespräch offenbart. Es klingt fast schon ein wenig Ungläubigkeit und Unbehagen mit hinein, wenn Tomekk vom Videodreh zu seiner aktuellen Single "Beat Of Life" mit Guano-Apes-Sängerin Sandra Nasic und US-Gangster-Rapper Ice T erzählt. Denn plötzlich tauchten bewaffnete Zuhälter am Set in Miami auf, die das Drehgeschehen skeptisch verfolgten. "Das war schon krass", meint er im Nachhinein ehrfürchtig. "Aber das ist dort eben eine ganz andere Welt."

In künstlerischer Hinsicht jedoch fühlt sich Tomekk in Amerika wohl, wie er erklärt. Im Zentrum von New York hat er sich ein Apartment gemietet. Von da aus koordiniert er seine Arbeit mit den Stars der amerikanischen Rap-Szene: Auf seiner zweiten Platte "Beat Of Life Vol. 1" geben sich neben Ice T auch Lil' Kim, Afu Ra, Beatnuts, Kurupt und der Basketballhüne Shaquille O'Neal die Ehre. Dabei klappte die ein oder andere Zusammenarbeit "erst unter zu Hilfenahme einiger Tricks". So weckte er den Ehrgeiz der New Yorker Rap-Queen Lil' Kim, deren Zusage für die erste Album-Auskopplung "Kimnotyze" wegen Filmdreharbeiten auf der Kippe stand, in dem er vorgab, den Part ihrer Erzfeindin Foxy Brown anzubieten.

Ende der 80er-Jahre kam der emsige Beatbastler mit seinem Vater, einem polnischen Konzertpianisten, aus Krakau nach Berlin. Doch regelmäßig besucht er seine Mutter und die jüngere Schwester in seiner Heimat. Ganz bewusst hat er bislang auch die polnische Staatsbürgerschaft behalten. Nach dem Tod des Vaters zog Tomekk in ein betreutes Jugendwohnprojekt im Tiergarten. Das beengte Zimmer bot gerade genügend Platz für ein Mischpult und zwei Plattenspieler, an denen er von früh bis spät übte. Der große Durchbruch gelang ihm vor drei Jahren mit dem Hit "1, 2, 3 Rhymes Galore", stimmlich unterstützt von den HipHop-Legenden Grandmaster Flash und Flavor Flav (Public Enemy). Das Album "Return Of HipHop" folgte.

Nun will sich der Mann mit dem tätowierten Notenschlüssel auf dem Oberarm der Förderung des deutschen Nachwuchses widmen. Sein erster Schützling: Trooper Da Don. Der afrodeutsche Rapper, dessen Stimme ein wenig nach Kehlkopfentzündung klingt, wird demnächst seinen Erstling mit Hilfe seines künstlerischen Ziehvaters einspielen. Frisch gestärkt checkt Tomekk noch schnell die Termine in seinem elektronischen Organizer. Und verschwindet in sein Studio.