Die Musikpresse preist den 37-jährigen Will Oldham seit Jahren als würdigen Nachfolger von Johnny Cash, erkor ihn zum neuen Neil Young, Bob Dylan, Nick Drake. Man ist sich einig: Nicht nur Oldhams äußere Erscheinung - Schnauzbart, ernster, stechender Blick - gemahnt gefährlich an Friedrich Nietzsche; nein, auch seine Lieder zeugen von einem quälenden Nihilismus und einem Blick für die maroden Stellen der Seele. Da ist was dran.

Richtig ist allerdings auch, dass der Mann, der seit 1998 unter dem Namen Bonnie Prince Billy auftritt, einer neuen Songwritertradition angehört, die von den Alten gelernt hat und dennoch nach den Unsicherheiten von heute klingt. Doch das Resultat der Musik gewordenen Grübelfalten verzaubert umso mehr. Gegen 21 Uhr schlurfte Prince Billy mit vierköpfiger Band auf die Bühne und läutete mit "No Bad News" seine herzerweichenden Kundgebung ein. Bonnie Prince Billy ist 2008 zwar immer noch der Wanderer im Seelenmatsch, er singt noch immer mit betörend brüchiger Stimme, doch die Arrangements sind heller geworden. Konzerte wie dieses lassen den Menschen zum echten Glauben zurückfinden: Die Welt ist schrecklich. Aber manchmal eben auch schrecklich schön.