Holare-diduli-rih! Wenn Leute jodeln, dann klingt der Text manchmal ein bisschen komisch. Nicht, weil man in einer Fremdsprache singt. Sondern weil Jodeln eigentlich Singen ohne Text ist. So was wie Dulijäh oder Holadjoh sind ja keine richtigen Wörter. „Das sind Silbenfolgen, die sich gut fürs Jodeln eignen“, sagt die Jodel-Lehrerin Doreen Kutzke. Also so etwas wie Fantasie-Wörter.

Was Jodeln ist, und wo es herkommt, dazu haben manche Leute ganz bestimmte Vorstellungen. „Viele denken, dass man nur in den Bergen, in Bayern oder in der Schweiz jodeln kann“, erzählt Doreen Kutzke. In Berlin, wo sie lebt, ist das Jodeln noch eher etwas Neues. Früher wurde in Deutschland fast nur in Süddeutschland in den Alpen gejodelt oder in der Gegend vom Harz.

Dass das Jodeln nur dort entstanden ist, glauben Experten aber nicht. Sie vermuten, dass Menschen schon vor vielen tausend Jahren auch in anderen Teilen der Welt gejodelt haben. Weil Jodel-Rufe so weit zu hören sind, haben sich Menschen vermutlich mit Jodlern über wichtige Dinge verständigt. Hirten haben damals wahrscheinlich mit Jodlern auch ihre Kühe oder Ziegen gerufen.

Jodeln gibt es in vielen Ländern auf der Welt. Zum Beispiel in Asien oder in Afrika. Dort heißt Jodeln aber auch nicht unbedingt „Jodeln“. In Afrika sagt man zum Beispiel „Yellis“. Es sind vor allem die Frauen, die dort zusammen jodeln. Experten wissen auch, dass in manchen Ländern die Menschen nicht nur jodeln, um sich zu verständigen. Jodeln ist dort auch eine Art heiliger Gesang, der zum Beispiel böse Geister vertreiben soll.

Bei uns in Deutschland ist Jodeln keine sehr heilige Angelegenheit. Dafür ist es manchmal fast sportlich. Zum Beispiel gibt es ab und zu richtige Wettbewerbe im Jodeln. „Das ist dann wie beim Eiskunstlauf – es gibt da eine Jury und die verteilt Punkte“, erzählt Doreen Kutzke. Sie hat als Kind an solchen Wettbewerben teilgenommen. Klingt es eher nach „Tatü-Tatah!“, so wie die Feuerwehr? Oder doch ein bisschen wie ein Tier – zum Beispiel das „I-Ah“ eines Esels? Wie es sich anhört, wenn jemand jodelt, ist gar nicht so einfach zu beschreiben. Eigentlich muss man es hören. Oder: Selbst ausprobieren.

Damit man die Stimme gut zwischen hoch und tief hin- und herspringen lassen kann, eignen sich manche Wörter besonders gut. Zum Beispiel solche, in denen der Buchstabe „i“ vorkommt. Denn dieser lässt sich ziemlich hoch singen. „Man kann auch mal versuchen, den Namen zu jodeln“, sagt Doreen Kutzke. Bei ihrem Vornamen geht das zum Beispiel ganz gut. Also: Jodeln kann eigentlich jeder. Meint Doreen Kutzke – und die muss es schließlich wissen. Schließlich bringt die Sängerin in ihrer Jodelschule anderen Leuten die Technik bei.

Im Interview hat sie „dpa Nachrichten für Kinder“ jetzt erzählt, wie sie Jodeln gelernt hat. Und warum sie nicht mehr damit aufgehört hat.

Was ist Jodeln überhaupt?

Doreen Kutzke:

Eigentlich ist Jodeln ein Stimmüberschlag. Menschen sprechen normalerweise immer in ihrer Bruststimme. Und dann gibt es die Kopfstimme, die ist meistens höher. Wenn man sich zum Beispiel aufregt und laut wird, dann überschlägt die Stimme zwischen den beiden Lagen. Allerdings passiert das dann aus Versehen. Beim Jodeln übt man diesen Stimmüberschlag mit Absicht. Der Überschlag klingt laut, auch wenn man dafür gar nicht brüllen muss.

Wie hast du Jodeln gelernt?

Eigentlich wollte ich nicht unbedingt jodeln, sondern singen. In dem Ort, wo ich mit meinen Eltern lebte, gab es aber nur einen Chor – und das war ein Jodel-Chor. Dort habe ich dann Jodeln gelernt. Ich war da ungefähr sechs Jahre alt. Mir hat das solchen Spaß gemacht, dass ich eigene Lieder mit Jodlern komponiert habe. Die habe ich aufgenommen und an meine Familie verschenkt. So richtig habe ich nie aufgehört zu jodeln. Nur als ich so 16 Jahre alt war, habe ich mal eine Pause gemacht. Da fand ich es eine Zeit lang ein bisschen peinlich.

Wo jodelst du denn?

Ich bin ja Sängerin und gebe Konzerte, manchmal auch mit einer Band. Da jodle ich auch. Das sind aber andere Jodler als damals in meinem Kinder-Jodel-Chor: Dort haben wir fast immer ältere Jodel-Lieder gesungen. Jetzt improvisiere ich meistens. Oder singe Jodler, die ich selbst komponiert habe. Und ich gebe Jodel-Kurse. Da muss ich meistens ziemlich viel jodeln, damit die anderen Leuten im Kurs es auch einfach mal versuchen.

Was ist wichtig, wenn man Jodeln lernen will?

Auch wenn das manche Leute nicht glauben – man muss wirklich nicht gut singen können. Im Gegenteil: Wenn man mal Jodeln ausprobieren will, ist es am besten, nicht zu viel darüber nachzudenken. Vor allem Erwachsene wollen beim Jodeln alles ganz richtig machen. Und dann klappt es nicht. Außerdem muss man sich trauen, laut zu sein. Denn leise jodeln funktioniert nicht!