Eher exotische Berufe sind die des Tea-Tasters und des Tee-Sommeliers.

Astrid Siegmann hatte 13 Jahre lang mit einer Freundin drei Teegeschäfte geführt. Dann nahm sie ein Jobangebot als Fachhandelsberaterin des Teehauses Ronnefeldt in Frankfurt/M. an. Seitdem ist sie für etwa 130 Teefachgeschäfte in der Mitte Deutschlands zuständig. 50 000 Kilometer fährt sie pro Jahr.

Beraterin der Geschäfte

"Ich bin für die Teegeschäfte so etwas wie eine kleine Unternehmensberatung", fasst sie ihre Aufgabe zusammen. Sie berät die Geschäftsinhaber bei der Präsentation der Tees, bespricht Werbemöglichkeiten und bringt die neuesten Tee-Kreationen mit. Die Meinungen der Teeverkäufer darüber sind wichtig - das Feedback reicht Siegmann an ihren Arbeitgeber weiter.

"Mein Vorteil ist, dass ich als ehemalige Inhaberin eines Teegeschäfts die Probleme der Kunden sehr gut kenne", erzählt die gelernte Industriekauffrau. Ein Problem sei, dass Tee in Deutschland vorwiegend in der kalten Jahreszeit getrunken wird. Viele der rund 2800 Geschäfte retten sich über den vergleichsweise tee-armen Sommer, indem sie auch Geschenkartikel, feine Pralinen oder Schokolade anbieten.

"Insgesamt ist der Teeverbrauch in Deutschland in den vergangenen Jahren leicht gestiegen", sagt die Geschäftsführerin des Deutschen Teeverbands in Hamburg, Monika Beutgen. Rund 53 Liter Kräuter- und Früchtetee trinkt der Deutsche im Schnitt jährlich. Hinzu kommen gut 25 Liter Grün- und Schwarztee. Die Ostfriesen trinken mehr als zehnmal so viel Tee wie die Bundesbürger in den übrigen Landesteilen.

Zu den begeisterten Tee-Trinkern gehört Lars Völsch aus Worpswede in Niedersachsen. 120 bis 150 Tassen des Getränks gießt er jeden Tag auf, probiert es und spuckt es wieder aus. Er ist einer von bundesweit etwa 30 Tea-Tastern und entscheidet mit, welche neuen Teesorten in die Regale der Händler wandern. In seinem Job ist Völsch viel unterwegs. So fliegt er regelmäßig nach Indien, um dort Tee zu probieren. Bei seinen Reisen hat er auch Wasser aus Deutschland mit in seinem Gepäck. "Mit Wasser aus Indien würde der Tee nämlich ganz anders schmecken", erklärt der Kenner.

Völsch machte wie die meisten seiner Kollegen eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann, allerdings in der Obst- und Gemüsebranche. Er wechselte in den Vertrieb eines Tee-Unternehmens und entwickelte sich dort zum Tee-Fachmann. Das ist 19 Jahre her, seitdem hat er unzählige Teesorten probiert.

Ausbildung zum Sommelier

Seit 2007 bietet die TeeGschwendner-Akademie in Meckenheim bei Bonn die Qualifizierung Tee-Sommelier an. "Teilnehmen können alle, die Spaß am Tee haben", erzählt Christiane Mandt von der Marketingabteilung des Teehauses. Die Aufgabe der Tee-Sommeliers ist es, ihr Wissen weiterzugeben, zum Beispiel bei Volkshochschulen oder Informationsveranstaltungen. Bislang gibt es etwa 30 Tee-Sommeliers. "Wir kamen auf die Idee, weil unser Tea-Taster gar nicht so viele Vorträge halten kann, wie es Einladungen gibt", sagt Mandt. Die Teilnehmer an dem fast 1000 Euro teuren Seminar kommen aus ganz Deutschland.

Gut mit Tee kennt sich auch Maru Winnacker aus Berlin aus, die Gründerin von "Seasons Tea". Sie bietet sehr hochpreisige Teesorten an, der teuerste kostet pro 25 Gramm fast 15 Euro. Der Verkauf der Luxus-Tees läuft gut, das Risiko hat sich für die 29-Jährige gelohnt. Vor drei Jahren hatte sie ihren gut bezahlten Job als "Regional Key Account Manager" bei einem internationalen Konzern gekündigt, um Tee zu verkaufen. Ein Freund hatte sie auf die Idee gebracht. Die Anfänge waren bescheiden. Mit ihrem Auto fuhr sie zu den Feinkosthändlern in ganz Deutschland und bot denen ihre Teesorten mit klangvollen Namen wie Jasmine Silver Tips oder China Rose Tea an. Das sprach sich schnell herum, bald mussten wegen Platzmangels sogar in ihrer Wohnung die Pakete gestapelt werden. Maru Winnacker hat Erfolg in der Nische: "In Deutschland gibt es zwar viele Tees", sagt sie. Die Konkurrenz bei den luxuriösen Teekreationen hält sich aber in Grenzen.