Seinen Leidenschaften folgen

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Mit seinen Fantasybüchern ist der Amerikaner T. A. Barron zum Bestsellerautor geworden. Besonders populär sind seine fünf Merlin-Romane. Darin erzählt Barron von der Zeit, in der Merlin noch nicht der große Zauberer war. Bei seinem Besuch in Berlin stellte der Autor sein neues Buch "Der Zauber von Avalon" vor und gab den Jugend-Reportern Shiva Mesgarian und Jan-Frederik Frese von der Schadow-Oberschule in Zehlendorf ein Interview.

Shiva: Warum sind Sie Schriftsteller geworden?

T. A. Barron: Dafür gibt es drei Gründe. Ein Schriftsteller zu sein bedeutet, daß man jede Gestalt annehmen kann und in jedes Land und in jede Zeit reisen kann. Man kann eine magische Welt wie Avalon betreten, man kann aber auch genau in dem Moment am Strand entlang laufen, wenn der junge Zauberer Merlin an Land gespült wird. Es gibt beim Schreiben keine Grenzen. Geschichten erlauben uns, große Fragen über das Leben zu stellen. Was bedeutet es, ein Mensch zu sein? Wie können wir eine bessere Welt schaffen? Ich schreibe mythische Geschichten, hinter denen auch große Ideen stecken.

Shiva: Und was ist der dritte Grund?

Barron: Das Schreiben ermöglicht es mir, meine Kinder oft zu sehen. Ich habe fünf Kinder zwischen neun und 18 Jahren. In meinem Haus in Colorado schreibe ich zwar viele Stunden am Tag, aber meine Kinder können mich jederzeit in unserer Mansarde finden.

Jan-Frederik: Wann haben Sie Ihr erstes Buch geschrieben?

Barron: Mein erstes Buch habe ich geschrieben, als ich Student in Oxford war. Während dieser Zeit bin ich viel gereist, und ich habe das Buch auf diesen Reisen geschrieben - in der transsibirischen Eisenbahn, in Japan, im Himalaya-Gebirge. Als ich wieder zurück in Oxford war, sandte ich mein Buch an verschiedene Verleger - insgesamt 42 - und alle sagten "nein". Danach schrieb ich eine Weile keine Bücher. Erst als ich ein Manager in New York City war, hatte ich eine neue Buch-Idee und gab meinen Job auf, um es noch einmal zu versuchen. Ich zog zurück nach Colorado in die Nähe der Farm, auf der ich aufgewachsen bin. Das war vor 15 Jahren und 17 Büchern. Es war ein großes Abenteuer und damals hätte ich nicht geglaubt, so erfolgreich werden zu können. Man muß eben seinen Leidenschaften folgen.

Jan-Frederik: Warum sind Sie so fasziniert von Avalon und den Legenden um König Artus?

Barron: Diese Legenden gibt es seit mehr als 1500 Jahren, die ersten mündlichen Überlieferungen entstanden in Wales. Die Leute haben damals begonnen, Geschichten von Merlin und Artus zu erzählen. Es gab viele Kriege, die Gesellschaft hatte keine gemeinsame Basis und Sprache. In dieser schrecklichen Zeit gab die Geschichte um diesen jungen christlichen König namens Artus und einen alten Zauberer, die sich zusammenschlossen, um eine gerechte Gesellschaft zu bauen, den Menschen Hoffnung. Merlin war die Figur, die zu allen Kontakt hatte: Er sprach mit den Bettlern, aber auch mit den Adligen an Artus' Hof. Merlin baute Brücken zwischen den Religionen, Sprachen, Kulturen und Klassen. Das bewundere ich. Was ich ebenfalls bewundere ist, daß er seine wichtigsten Lektionen aus der Natur gelernt hat. Darin sind wir uns ähnlich.

Shiva: Woher nehmen Sie die Inspiration für Ihre Fantasy-Bücher?

Barron: Meine wichtigsten Inspirationen kommen aus der realen Welt, auch wenn ich über imaginäre Orte schreibe - über mythische Inseln, Avalon, untergegangene Städte und so weiter. Wenn man unsere Welt mit offenen Augen betrachtet, dann sieht man Wunder und viele überraschende Dinge. Und wenn man dann eine Prise Fantasie dazugibt, ist alles möglich.