Auch die Idee, eine Stadt unter einem besonderen Aspekt zu betrachten, ist ein Aufhänger für ein Reisebuch. Sachbücher zu veröffentlichen, kann dann ein ideales zweites Standbein im Beruf sein.
"Aber allein von den Büchern leben zu wollen, ist sehr schwierig", sagt Annette Anton vom Campus Verlag. Ökonomisch gesehen sei das in der Regel unattraktiv, ist auch die Erfahrung von Claudia Cornelsen, einer Autorin und PR-Beraterin aus Oldenburg, die bereits 50 Bücher veröffentlicht hat. Dafür seien die Verdienstmöglichkeiten zu gering: "Die Branche funktioniert nach dem Prinzip Selbstausbeutung." Um auch nur auf das Gehalt eines Grundschullehrers zu kommen, seien pro Jahr vier überdurchschnittlich erfolgreiche Titel nötig - und das sei kaum zu schaffen, meint Claudia Cornelsen.
Die Suche nach einem Verlag
Das Erstlingswerk von Birgit Hasselbusch ist erst in diesem Jahr erschienen. Es ist ein Buch über Kinder aus neun Ländern und über das, was typisch an ihrer Heimat ist, nicht zuletzt in kulinarischer Hinsicht. "Wir reisen sowieso viel", erzählt die Hamburgerin. "Und ich hatte total Lust auf dieses Buch." Das Schwierigste sei gewesen, einen Verlag zu finden. "Da hieß es immer "Superidee, passt aber bei uns nicht ins Programm." Schließlich hat es aber doch geklappt - gerade ist die Autorin von ihrer ersten Lesereise zurückgekommen.
Ganz wichtig ist nach Überzeugung von Annette Anton, dass der Autor tatsächlich von der Lust auf ein Thema angetrieben ist - und zwar auf ein möglichst nicht "ausgelutschtes". "Viele denken: 'Mensch, darüber müsste man mal ein Buch schreiben'. Aber das haben dann 20 andere vorher schon gemacht", sagt die für Sachbücher verantwortliche Programmleiterin bei Campus in Frankfurt. "Man braucht eine gute Idee, die möglichst noch kein anderer hatte." Unverzichtbar sei auch ein klar umrissenes Thema: "Wenn ich drei Sätze brauche, um zu erklären, worum es in dem Buch geht, habe ich schon verloren. Das sollte idealerweise in einem Satz gehen."
Wer so weit ist, sollte zu seiner guten Idee ein sehr gutes Exposé schreiben, rät die Campus-Programmleiterin - und dann noch einmal in sich gehen, um zu klären, ob es tatsächlich das ist, womit man sich in den kommenden Monaten beschäftigen möchte. Falls ja: Ab damit in die Post und an den Verlag schicken. Fähigkeiten im Schreiben von Texten sind allerdings unverzichtbar: "Die Zeiten, in denen Sachbuchautoren vor allem Faktenhuber waren, sind lange vorbei."
Wenn der Verlag Interesse hat, ist die nächste große Hürde, über die Konditionen zu verhandeln. Manchmal gibt es eine fixe Summe. "Üblich ist aber eine Verkaufsbeteiligung", erläutert Uta Glaubitz, Autorin aus Berlin. "Nur fünf Prozent Beteiligung sind unanständig, zehn Prozent ziemlich gut. Ich kenne Gerüchte über Autoren, die mehr bekommen. Das habe ich aber noch nie erlebt." Ähnlich schätzt Annette Anton das ein: "Es gibt nach oben und unten eine Schamgrenze." Realistisch sei eine Spanne von sechs bis zwölf Prozent.
Verhandelbar ist nach den Erfahrungen von Uta Glaubitz prinzipiell alles. "Es kommt natürlich auch darauf an, wie dringend der Verlag das Buch haben will." Bei einem gefragten Thema sei die Bereitschaft größer, dem Autor entgegenzukommen. Neben der Beteiligung erhält der Autor in der Regel einen Vorschuss, der später verrechnet wird. "Am Vorschuss lässt sich erkennen, wie stark der Verlag an das Buch glaubt", sagt Glaubitz. Für einen Anfänger seien 5000 Euro schon eine sehr ordentliche Bezahlung. "Bei 1000 Euro ist nicht davon auszugehen, dass der Verlag sich bemühen wird, das Buch gut zu verkaufen."
Angehende Autoren sollten sich aber darauf einstellen, dass der Anfang finanziell schwierig sein dürfte - "wie bei den allermeisten Karrieren", sagt die Autorin. Aber auch wenn es für das Buch nicht viel Geld gibt - vielleicht entwickeln sich daraus die nächsten Projekte. Zu viel dürfe man ohnehin von seinem Erstlingswerk nicht erwarten: "Das erste Buch ist nie das beste." Spätestens beim Schreiben der letzen Zeilen sollten deshalb die ersten Gedanken um das nächste Buch kreisen, empfiehlt Glaubitz.
Zeitmanagement ist wichtig
Damit es betriebswirtschaftlich auch nur halbwegs funktioniert, ist ein vernünftiges Zeitmanagement unverzichtbar: "Man muss sich einen Zeitrahmen setzen, also zum Beispiel einen Monat für das Recherchieren, einen Monat fürs Schreiben", rät die Autorin. "Am besten, man kalkuliert, wie viel Geld man im Jahr verdienen muss, und überschlägt dann, wie viel Zeit für jedes Buchprojekt drin ist." Claudia Cornelsen hat mit der Zeitplanung keine Probleme: 49 Sachbücher hat sie inzwischen verfasst. Ihr 50. Buch, gerade erschienen, ist allerdings ein Roman.
Was eigentlich ein Sachbuch ist, lässt sich nicht ganz einfach definieren. "Auf Englisch ist die Unterscheidung viel klarer", sagt Annette Anton vom Campus Verlag. "Non fiction ist eben alles, was nicht fiktional ist." In Deutschland verschwimmen die Grenzen zum wissenschaftlichen Fachbuch und zum Ratgeber, die zum Teil zu den Sachbüchern gezählt werden. Bei vielen Verlagen sind Sachbücher auch nur ein Teil des Programms. Typisch sei ein Verhältnis von zwei Drittel Belletristik zu einem Drittel Sachbuch", erklärt Annette Anton das hiesige Verlagswesen.

