Wohnungsvermittlung

Wenn der Makler außen vor bleibt

Koalitionspläne sehen eine Neuregelung der Courtage vor. Am Markt suchen Wohnungsvermittler längst neue Nischen

Der Immobilienverband Deutschland (IVD) ist nicht glücklich über den Verlauf der Koalitionsgespräche. Nachdem CDU und SPD sich darauf geeinigt haben, außer einer Mietpreisbremse auch das Maklerrecht neu regeln zu wollen, ließ Jens-Ulrich Kießling, Präsident des IVD, die Öffentlichkeit wissen: „Alle Punkte, vor denen wir in den vergangenen Monaten gewarnt haben, sollen nun doch umgesetzt werden.“

Unerwünscht sind vor allem Pläne, das Maklerrecht neu regeln zu wollen. Bekanntlich soll künftig bei der Vermittlung von Wohnimmobilien, die zur Vermietung angeboten werden, das sogenannte Bestellerprinzip gelten. Dies sieht vor, dass derjenige den Makler bezahlt, der ihn beauftragt. Sucht also ein Vermieter über einen Makler einen neuen Mieter, so muss Ersterer ihn bezahlen – und nicht der Mieter, wie in Großstädten häufig üblich. Kießlings These lautet: „Der Markt regelt sehr gut, wer die Maklerprovision in welcher Höhe zahlt.“ In Regionen mit einem Überangebot an Wohnungen zahle der Vermieter. In Regionen mit einem erhöhten Bedarf an Wohnungen der Mieter. Sein Fazit daher: „Für eine Einschränkung der Vertragsfreiheit besteht kein Bedarf.“

Abseits dieser Diskussion haben einige Teilnehmer am Markt längst eigene Angebote entwickelt. Da ist zum Beispiel die Berliner Immobilienmaklerin Constanze Woltmann. Sie hat sich auf den Immobilientausch spezialisiert. Kommt ein Kontrakt zustande, nimmt sie dafür die Hälfte der üblichen Provision.

Tauschwillige finden

„Tauscht also Familie Müller ihre zu kleine Eigentumswohnung in Lichterfelde-West im Wert von 300.000 Euro gegen den schönen, aber für Frau Schulz viel zu großen Stuckaltbau im selben Bezirk (Wert 500.000 Euro), dann berechne ich jeder Partei eine Courtage in Höhe von drei Prozent bezogen auf den Wert der betreffenden Immobilie“, sagt die studierte Diplom-Kauffrau. Ihre Kartei umfasse derzeit circa 350 Familien, die eine Immobilie im Süd-Westen Berlin suchten. Ihr Portfolio enthält etwa 30 Immobilien, darunter auch Objekte zum Tausch an der Ost- und Nordseeküste.

Während Constanze Woltmann betont, dass sie alle Tauschobjekte sorgfältig bewertet und prüft, wird dies bei dem noch jungen Portal mit Namen www.tauschwohnung.com anders gehandhabt. Hier müssen Tauschwillige selbst alles in die Hand nehmen. Dafür bezahlen sie aber auch nichts, weder Registrierung noch eine Provision, wenn ein Tausch zustande kommt. „Weil die Nachfrage nach Wohnraum in Großstädten groß ist, beziehen sich die meisten hinterlegten Anfragen und Angebote aktuell auf Hamburg und Berlin. Hier sind jeweils etwa 350 Offerten zu finden“, sagt Maurice Renck, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit des erst seit Mai 2011 bestehenden Portals. Die Idee selbst geht auf die Hamburgerin Beate Ruuck zurück. Sie hatte damals vergeblich versucht, über Tauschbörsen an der Uni eine adäquate Bleibe zu finden. Als sich nichts ergab, verlegte sie ihre Suche von der Pinnwand ins Internet.

Schon wegen des Namens polarisierender tritt das Portal www.ohne-makler.net auf, gegründet von Henning Evers. Es ist ihm aber wichtig hervorzuheben: „Ich arbeite nicht bewusst gegen Makler, sondern unterstütze diejenigen mit einer außergewöhnlichen Leistung, die ihre Immobilie selbst vermieten oder verkaufen möchten.“

Der 70-Jährige macht keinen Hehl daraus, dass er ein Seiteneinsteiger ist. „Ich musste damals aus finanziellen Gründen meine Immobilien verkaufen und habe dabei die Erfahrung gemacht, dass die von mir beauftragten Makler ihren Job hätten besser machen können.“ Das ist fünf Jahre her. Heute werden über sein Portal etwa 2000 Immobilien zur Miete und zum Kauf angeboten – provisionsfrei und weit über Hamburg hinaus.

Bezahlt wird hier nach Aufwand. Kunden, die möchten, dass ihre Immobilie automatisch auch auf drei großen Immobilienportalen angeboten wird, zahlen zwischen 75 (ein Monat) und 229 Euro (sechs Monate). Das Portal kommt an, wie Evers unter Berufung auf Kunden mitteilt. „Viele teilen mir mit, dass sie ihre Immobilie binnen kurzer Zeit verkaufen konnten.“

Doch es gibt auch Betrüger, wie die Polizei warnt. Immer wieder würden Wohnungen vorgestellt, bei denen Täter nur ein Ziel verfolgten: vorausgezahlte Kautionen oder Mieten zu unterschlagen. Der Rat lautet daher: „Geld immer erst überweisen, wenn die Wohnung besichtigt ist, ein persönlicher Kontakt zum Vermieter besteht und beide Parteien einen unterschriebenen Mietvertrag in den Händen halten.“