Mit Architekt Per Pedersen, der das moderne Wochenendhaus auf der Insel Valentinswerder entworfen hat, sprach Autor Oliver Klempert unter anderem über den Sonnenlauf.

Berliner Morgenpost:

Gibt es auf der Insel Valentinswerder gesonderte Bauvorschriften oder sonstige Einschränkungen, die bei der Planung des Gebäudes beachtet werden mussten?

Per Pedersen:

Auf der Insel gilt, wie auch sonst auf dem Festland, die Berliner Bauordnung. Zudem befinden wir uns im Landschaftsschutzgebiet, was umweltschonende Maßnahmen fordert. Die Grundstücke dürfen mit maximal zehn Prozent der Grundfläche überbaut werden.

Mit dem Wochenendhäuschen haben Sie einen ungewöhnlichen Bau entworfen. Wie kamen Sie auf diese Idee?

In unseren Entwürfen spielen immer mehrere Faktoren eine Rolle. Zunächst war die Lage des Gebäudes auf dem Grundstück wichtig. So spielten der Landschaftsraum mit seiner Bepflanzung und die Himmelsrichtungen – der Sonnenverlauf – für die Ausrichtung des Hauses eine Rolle. Morgens wird man durch große Fenster direkt von der Sonne geweckt, abends kann man aus dem Haus den Sonnenuntergang beobachten, weil das Gebäude in seiner Himmelsrichtung entsprechend ausgerichtet ist. Weiter war der Bezug zwischen Innen und Außen und zum Wasser für den Entwurf wichtig. Wichtig war es auch, den wenigen zulässigen Quadratmetern eine räumliche Großzügigkeit zu geben.

Wie würden Sie aus Architektensicht die Besonderheiten des Hauses beschreiben?

Die Lage nah an der nordöstlichen Grundstücksgrenze schafft einen großzügigen Gartenraum und bietet zusammen mit der Ausrichtung des Hauses Privatheit zu den Nachbarn. Die präzise gesetzten und teilweise großen und tiefsitzenden Öffnungen zum Garten und zum Himmel machen den Außenraum, die Natur, im Inneren spürbar und relativieren die Grenze zwischen Innen und Außen. Weiter spielen Details eine wichtige Rolle, wie die Richtung der Holzverschalung, die Dachbekleidung aus Holz, die Fenster oder die Position der Schrauben.

Weshalb haben Sie sich für Holz als Baumaterial entschieden?

Die Insel Valentinswerder ist von Holzhäusern geprägt. Holz ist ein nachwachsendes Material, altert schön und besitzt eine sehr geringe Speicherqualität. Somit wird das Haus selbst im Winter bei niedrigen Temperaturen schnell warm – es gibt keine Kälteabstrahlung von den Wänden wie in Steinhäusern. Im Sommer bleibt es im Haus selbst bei hohen Außentemperaturen durch seine gedämmten Außenwände hingegen angenehm kühl. Die herausragende Eigenschaft des Lärchenholzes ist zudem, dass man es nicht beschichten muss. Das Holz bildet seine eigene Schutzschicht. Das ist wunderbar.

Glauben Sie, dass es noch ein großes Potenzial bei der Neugestaltung von Wochenendhäuschen gibt?

Natürlich gibt es hier ein Potenzial. Die Anforderungen an kleine Wochenendhäuser sind einerseits sehr einfach. Sie stellen keine komplexen Funktionsabläufe dar, müssen aber gleichzeitig die ganzen Bedürfnisse eines Wochenendaufenthaltes auf kleinem Raum erfüllen. Weiter spielt der Ort eine entscheidende Rolle. Fertighäuser zum Beispiel erfüllen diese individuellen Anforderungen nur in Teilen, hier sehe ich ein Potenzial für Neugestaltung und um viele neue individuelle Lösungsansätze zu finden.