- Die deutsche Immobilienwirtschaft rechnet in diesem Jahr mit weiter steigenden Kauf- und Mietpreisen. Der Zentrale Immobilien-Ausschuss (ZIA) erwartet bei den Mieten im Durchschnitt ein Plus von drei Prozent und von 4,5 Prozent bei den Kaufpreisen. Das geht aus dem Frühjahrsgutachten des ZIA hervor, das in Berlin vorgestellt wurde. In München, Hamburg und Berlin dürften die Preise nach Ansicht der so genannten "Immobilienweisen" in diesem Jahr um sechs bis zehn Prozent steigen.
Dies sei aber noch keine Preisblase, sagte Gutachter Harald Simons. In den Großstädten sei das Angebot für die steigende Nachfrage viel zu schwach. Als Gründe der Verteuerung von Wohnungen in Metropolregionen nannte Simons den Anstieg der Haushaltszahlen, die Verkleinerung der Familien und die Zuwanderung in die Großstädte, wo eben die qualifizierten gut bezahlten Arbeitsplätze seien. Die Blase werde nur herbeigeredet. In der Folge würden sich Bauträger mit neuen Projekten aber zurückhalten. Zudem sei eine beginnende Spekulation zu beobachten, weil Immobilieneigentümer ihre Verkäufe in Erwartung höherer Preise zurückstellten.
"Das Frühjahrsgutachten unterstreicht die Bedeutung der Immobilienwirtschaft für die Gesamtwirtschaft. Wenn die Branche ihre Chancen nutzt, kann sie Wachstumsmotor und Stabilitätsanker der deutschen Volkswirtschaft bleiben", betonteZIA-PräsidentAndreasMattner. Die deutsche Wirtschaft müsse angesichts der Krise im Euro-Raum auf die Inlandsnachfrage setzen. Bauinvestitionen könnten hier einen wesentlichen Beitrag leisten.
Steuerpolitischen Vorhaben wie die Einführung einer Vermögensteuer, Veränderungen bei der Grunderwerbsteuer oder die Reformdiskussion der Grundsteuer würden sich nach Meinung der Gutachter allerdings negativ auf die Branche auswirken. "Jede weitere Belastung könnte den Motor der Immobilienwirtschaft abwürgen. Als Folge könnte der Wohnungsbau zum Erliegen kommen, was steigende Mieten begünstigt", befürchtet ZIA-ChefMattner.
Preisanstiege in guten Lagen
"Es gibt trotz steigender Preise aber keinen Grund zu Hysterie. Mit Blick auf die Inflation relativiert sich die Preisentwicklung. Bei Kauf- und Mietpreisen erleben wir nur einen schwachen Mietpreisanstieg auf breiter Front", betonte Simons, der auch Vorstand beim MarktforschungsinstitutEmpiricaist. Mit 2,4 Prozent seien Angebotsmieten nur minimal stärker als die Inflation gestiegen.
Deutliche Preisanstiege seien allenfalls in ausgesuchten Lagen einiger Städte zu beobachten. "Es gibt einen deutlichen Trend in die Innenstadt. Wir beobachten, dass in bestimmten Teilen einiger Städte die Nachfrage stark zugenommen hat und auch weiter noch zunimmt. Als Folge steigen natürlich die Kauf- und Mietpreise in diesen Lagen. Urbanität kostet immer mehr", sagte Michael Kiefer, Chefanalyst bei Immobilienscout 24.
Ein ganz anderes Bild ergebe sich aber für das Bundesgebiet. Hier zeige sich, dass die deutschen Immobilienpreise, gemessen am Verhältnis von Hauspreisen zu Mieten, noch vergleichsweise niedrig seien. Simons verwies darauf, dass 63 Prozent der Mietwohnungen seit 2005 nach Abzug der Inflationsrate günstiger geworden seien. Nur 37 Prozent seien teurer geworden, vor allem in den stark gefragten Metropolen.
Bereits zum dritten Mal in Folge sind die Preise für Büroimmobilien in Deutschland gestiegen. Am deutschen Investmentmarkt wurden 2012 etwa 24,5 Milliarden Euro in Gewerbeimmobilien investiert. "Dieses war das höchste Volumen seit Einsetzen der Finanzkrise", berichtete Sven Carstensen von AnalysehausBulwienGesa. Das sei ein Zuwachs von 8,8 Prozent zum Vorjahr und im Vergleich zu 2010 sogar von 32,8 Prozent. Unterdessen erfreuen sich sogar auch Objekte in Cityrandlagen und B-Standorte einer regen Nachfrage.
Gute Aussichten gibt es angesichts des anhaltend guten Konsumklimas auch bei den Handelsimmobilien. Die Deutschen werden 2013 laut Gutachten nominal 554 Euro mehr für den Konsum zur Verfügung haben. Davon dürfte auch der Einzelhandel in einem gewissen Umfang profitieren. "Dennoch stehen wir vor einem Strukturwandel", sagt Manuel Jahn, Leiter Real Estate Consulting bei GfK Geo Marketing. Der Online-Handel werde zukünftig immer stärker. Der stationäre Handel wiederum wolle aber wieder näher an den Kunden heranrücken.

