Interview mit Klaus Theo Brenner

"Optimales Einfügen in den Bestand"

Das Modell Gartenstadt bringt hohe Qualität und Grün in die Randgebiete

Den Planer der Gartenstadt Karlshorst, Klaus Theo Brenner, befragte Oliver Klempert.

Berliner Morgenpost:

Können Sie den Begriff "Gartenstadt" näher erläutern?

Klaus Theo Brenner:

Die Gartenstadt wurde in Deutschland im Rahmen der Wohnungsbau-Reformen um 1910 entwickelt. Sie ist im Unterschied zur Siedlung ein Stadtmodell mit Straßen, Plätzen, Parks, Eck- und Reihenhäusern, aber moderat bis kleinteilig im Maßstab und grün durch Vorgärten und Bäume.

Weshalb ist dieses Projekt für Berlin wichtig?

Das Projekt Gartenstadt Karlshorst ist wichtig, um die Alternative aufzuzeigen zum alltäglichen Desaster im städtischen Umland und vielleicht beispielhaft für ähnliche Projekte.

Sie haben "Sieben Regeln zum guten Bauen" aufgestellt. Können Sie diese erläutern?

Die "Sieben Regeln zum guten Bauen" beschreiben das architektonische Vokabular, das in der Gartenstadt Karlshorst Anwendung findet und umfassen die wesentlichen Merkmale des Fassadenbildes mit seinen baulichen Elementen, Proportionen, Materialien und Farben. Der Wohnungsbau in Berlin vor dem Zweiten Weltkrieg in allen Dimensionen, und gerade der Reformwohnungsbau um 1910, waren auch im europäischen Vergleich von besonders hoher Qualität. Die Gartenstadt ist ein Beispiel, wie das Stadtbild wieder reformiert werden kann.

Können Sie Tipps geben, worauf Bauherren achten sollten?

Wenn ein Bauherr nur so billig wie möglich bauen will, braucht er keine Regeln zum "Guten Bauen". Wenn er aber ein optimales Ergebnis zum angemessenen Preis haben will, muss er sich zusammen mit seinem Architekten darüber systematisch Gedanken machen und dabei immer zwei Ziele ins Auge fassen. Optimierung des architektonischen Erscheinungsbildes bei optimierten Herstellungskosten. In diesen Prozess mit dem vereinbarten Ziel, gute Architektur und eine schöne Stadt zu bauen, muss der Architekt Wissen und Erfahrung einbringen. Unser Problem ist, dass es nicht nur wenig Bauherrn gibt, die diese Qualität anstreben. Es gibt auch wenig Architekten, die davon etwas verstehen.

Inwieweit passt die Gartenstadt Karlshorst zum derzeitigen Trend, wieder in die Stadt zu ziehen? Braucht Berlin hier generell neue Wohnansätze?

In den vergangenen 20 Jahren haben wir in Berlin nach der Wende vorwiegend daran gearbeitet, das Wohnen im Zentrum zu stärken und die dafür angemessenen Modelle zu entwickeln. Das war oft und vorwiegend teures Wohnen. Wir müssen jetzt städtische Wohnmodelle der Ergänzung und Verdichtung in den Randbereichen entwickeln, die im mittleren Preissegment liegen und von hoher Qualität sind. Diese neuen Projekte müssen sich optimal in den Bestand einfügen. Das Modell Gartenstadt Karlshorst ist dabei nur eine von vielen Möglichkeiten. Von der Gartenstadt bis zur Hochhausstadt ist alles denkbar - nur gut muss es sein!