Ein richtiges Schloss konnte sich Kaufmann Adolf Heydenreich in den Kriegsjahren 1914/16 wohl nicht leisten, aber mit dieser Villa an der Peter-Lenné-Straße (Dahlem) kam er dem Vorbild recht nah. Als "verkürzte Dreiflügelanlage", so Berlins Denkmalschützer, verkörpert der Bau die ländliche Schlossarchitektur der Zeit um 1800.
Die Proportionen sind zwar kleiner, doch bleibt der Anspruch des Bauherrn sichtbar, wie in einem Schloss zu wohnen. Das zeigt die Konzentration auf die Mitte - vom Tor über den Vorplatz und die (eigentlich überflüssige) Treppe bis hinauf zum Giebel ist alles als eine einzige Blickachse konzipiert. Weiter loben die Bauhistoriker den "qualitätvollen Mauerwerksverbund aus Werk- und Backstein".
So eine Arbeit durfte man bei Ernst Paulus und Olaf Lilloe auch erwarten. Paulus hatte zehn Jahre lang mit Georg August Dinklage erfolgreich Bauprojekte geplant und realisiert, er setzte dies danach mit Lilloe nahtlos fort. Zehn Kirchen, sieben Wohnanlagen und fünf Villen stehen in Berlins Landesdenkmalliste allein unter dem Namen von Paulus, der am 29. August 1868 in Kleve (Niederrhein) geboren wurde und der am 25. Juli 1935 in Berlin starb.

