Baumeister für Berlin: Die Durchgangszimmer des Eduard Titz

Eines der ältesten Gebäude der 1866 gegründeten Villenkolonie Westend ist das Werk eines wichtigen Vertreters der Berliner Schinkel-Schule. Und das sieht man dem Haus auch an: Der Bau von 1870/71 besitzt ruhige, ausgeglichene Proportionen. Zusammen mit dem sorgsam gesetzten, qualitätvollen Schmuck hebt diese Baukunst das spätklassizistische Wohnhaus in der Ahornallee weit über den Durchschnitt seiner Zeit hinaus, meinen die Experten aus dem Berliner Landesdenkmalamt und verliehen dem Haus mit seinen flach geneigten Sattel- und Walmdächern sowie den zahlreichen Erkern und Veranden den schützenden Stempel des Denkmalschutzes. Das Wohnen darin ist für heutige Verhältnisse nicht einfach: Gebaut wurde es ohne Flur und ohne Diele, und alle fünf Räume des Erdgeschosses sind Durchgangszimmer. Eduard Titz heißt der Baumeister des Hauses. Er wurde 1819 oder 1820 in Böhmen geboren und kam 1839 nach Berlin, vor allem um die Bauten Schinkels zu studieren. Er wurde ein viel beschäftigter Berliner Architekt und Bauunternehmer, der auch im Theaterbau Erfolg hatte (Deutsches Theater, 1850) und einen Bebauungsplan (für Köpenick) erarbeitete. Eduard Titz starb am 22. Januar 1890 in Berlin.