Baumeister für Berlin: Gerhard Winkler

Auch ein unauffälliges Gebäude kann «wichtiges Zeugnis für die Entwicklung der Wohnhausarchitektur» sein, wie die Experten aus dem Landesdenkmalamt feststellen. Dieses Haus wurde 1933/34 als «Landhaus» errichtet, ein fast würfelförmiger Baukörper mit weit überkragendem Walmdach. Die Blockform wird durch bündig liegende Fenster noch verstärkt: Würden sie hervorgehoben oder gar dekoriert sein oder in tiefen Öffnungen sitzen, hätte das Haus eine ganz andere Wirkung. «Wichtige Tendenzen im Baugeschehen der nachfolgenden Jahre» nehme das Haus an der Flatowallee (Charlottenburg) vorweg - wobei es übrigens in einem seltsamen Gegensatz zum benachbarten (Ex-)Polizeirevier steht, das 1931 als moderner, expressionistischer Bau errichtet worden war. Baumeister des Block-Hauses war neben Otto von Estorff auch Gerhard Winkler, der heute vor 104 Jahren in Löwenhagen (Ostpreußen) geboren wurde und im April 1975 in Bonn starb. Mit von Estorff verbanden ihn fast 50 Jahre Bautätigkeit, die 1927 mit einer Architektensozietät in Potsdam begann. Im Krieg geriet Winkler in russische Gefangenschaft und kam im Jahre 1955 als einer der letzten Kriegsgefangenen zurück nach Deutschland. Hier leitete er noch bis 1975 ein Atelier, in dem von Estorff bis zu dessen Tod (1974) mitarbeitete.