Nein, diese abwechslungsreiche Fassade ist nicht Teil eines Herrenhauses, sondern liegt versteckt in einem Hinterhof: In den Jahren 1900/01 wurde dieses zweigeschossige, lang gestreckte Stall- und Remisengebäude gebaut, es gehörte als Nebengebäude zu einer Zehlendorfer Villa aus dem Jahre 1897. Die wurde 1945 völlig zerstört, allein die zu Garagen umgebauten Stallungen und die als Werkstatt genutzte Remise blieben von der alten Pracht erhalten. Außergewöhnlich sind die Größe und die Sorgfalt, die hier auf die Ausführung des Hinterhauses verwendet wurden. Im Heimatschutzstil und Jugendstil wurde es gebaut, und speziell in das Stuckrelief im Giebel wurde viel Arbeit investiert. Möglicherweise, so die Berliner Denkmalschützer, deutet dies darauf hin, dass hier in der Seehofstraße einst ein vermögender Fuhrunternehmer seine Betriebsstätte hatte. Zu ermitteln ist das heute aber nicht mehr eindeutig. Sicher ist nur, dass ein vergleichbar großes und ebenso attraktives Nebengebäude in ganz Zehlendorf nicht bzw. nicht mehr existiert. Als Baumeister nennen die Annalen den Architekten Walter Eichelkraut. Von ihm sind zwar eine Handvoll denkmalgeschützter Bauten bekannt - ebenso wie ein Dutzend weitere von anderen Eichelkrauts im Berliner Süden -, doch von seinem baumeisterlichen Lebenslauf ist sonst weiter nichts überliefert.