Baumeister für Berlin: Konrad Reimer

Die Borsig-Werksanlage in Tegel kennen viele, vom Werkstor bis zum expressionistischen 20er-Jahre-Bürohochhaus. Doch auch auf der anderen Seite der Berliner Straße gibt es interessante Borsig-Architektur: Dieses "Beamten- und Arbeiterwohnhaus" von 1897 steht gegenüber der Haupttoranlage. Geschaffen wurde der Bau von Konrad Reimer und Friedrich Körte, die mit der Ziegelfassade samt hellen Putzblenden die märkische Backsteingotik andeuten wollten: Das Holzfachwerk im Obergeschoss, die Holzloggia und das Walmdach mit Krüppelwalm zeigen ländliche Bezüge und sollen der vorstädtischen Einordnung dienen. Baudenkmal ist das Haus auch, weil es ein Beispiel für "stilisierten Historismus" vom Ende des 19. Jahrhunderts ist und für die Borsig-Wohnungsfürsorge noch vor dem Bau der Kolonie Borsigwalde ist. "Reimer & Körte" entwarfen nicht nur die meisten Borsig-Bauten, sondern auch Villen in Nikolassee und Lichterfelde, die Sternwarte Treptow und das Renaissance-Theater (Charlottenburg), Kranken-, Miet- und Geschäftshäuser. Am Montag war der 150. Geburtstag des Berliners Konrad Reimer, er starb im Januar 1915.