Wes Craven ist einer der Altmeister des amerikanischen Horrorfilms. Mit Filmen wie "A Nightmare on Elm Street" und der "Scream"-Triologie schuf er einige der größten Kassenknüller des Genres. Ebenso 1977 mit "The Hills Have Eyes - Hügel der blutigen Augen", dessen Remake nun in die deutschen Kinos kommt. Die ursprüngliche Story war simpel: Eine amerikanische Großfamilie bleibt mit einer Panne in der Wüste von New Mexiko liegen, wo sie ins Visier von einheimischen Kannibalen gerät.
Was damals noch ein Schocker war, mutet heute vergleichsweise harmlos an. Deshalb setzt Regisseur Alexandre Aja bei seinem Remake ordentlich eins drauf. Waren im Original die Kannibalen noch "normale" Wilde, die verdächtig an Indianer erinnerten, so wartet Aja nun mit einer entmenschlichten nuklearverseuchten Mutantenhorde auf, Produkt von Atomtests der US- Regierung in den fünfziger und sechziger Jahren. Aus diesem Link mit der Realität scheint der Film neben einem besonderen paranoiden Thrill die moralische Rechtfertigung holen zu wollen für die Geschmacklosigkeit, mit dem er seine Figuren zu Grunde richtet.
Denn Ajas Version von "The Hills Have Eyes" verzichtet auf jede subtile Spannung und setzt statt dessen durch ein endloses Blutbad von der ersten Minute an auf Überreizung. Den Protagonisten wird dabei nicht der letzte Funken an Würde gelassen: etwa der Mutter, die vor den Augen ihrer Kinder von einem Mutanten ausgeweidet wird, oder ihrer Tochter, die von den Kannibalenmännern gezwungen wird, sie zu stillen. Nicht nur, daß solche Obszönitäten abstoßend sind, sie kosten dem Film auch seine Stringenz, lassen die im Original durchaus vorhandene Handlung unübersichtlich und unpointiert werden. Denn ein Gefühl der Bedrohung baut sich bei so viel offensichtlicher Gewalt gar nicht erst auf, ebenso wenig bleibt Zeit, Charaktere zu zeichnen, die Empathie hervorrufen könnten: Die tragische Zerrissenheit des weichherzigen Menschenfressermädchens Ruby etwa läßt sich im Remake kaum noch erahnen.
"The Hills Have Eyes" ist unter der Regie von Alexandre Aja zum reinen Splatter mutiert, sadistisch sowohl gegenüber den Figuren auf der Leinwand als auch gegenüber dem Zuschauer im Kinosessel. Man fragt sich, warum Wes Craven bei einer derartigen billigen Verwurstung seines Films als Produzent hergehalten hat. Seinen Fans sei empfohlen, das Geld für die Kinokarte zu sparen und sich lieber mal wieder den Klassiker zu genehmigen.

