Staub tanzt in der Sonne am Stadtrand; eine Putzfrau tanzt in der Küche, wenn ihre Herrschaft gegangen ist. Und Autos tanzen im Kreisverkehr nach der Pfeife der Polizistin Kenza (Nezha Rahil). Die dirigiert vormittags die Straße und nachmittags den Alltag ihrer Nachbarn, denen sie ihr Handy minutenweise vermietet. In Casablanca tanzt die Mobilität der Moderne mit der (Film-)Tradition.

Faouzi Bensaidi erzählt in seinem übermütigen Spielfilm "www - What a wonderful world" davon, wie vier Sinnsucher durch Handy und Internet zueinanderfinden. Der Killer Kemal (der Regisseur spielt ihn selbst) erhält seine Aufträge per Internet. Hat er sie erledigt, telefoniert er immer mit Souad (Fatima Attif), der tanzenden Putzfrau. Eines Tages hat er Kenza am Handy und verliebt sich in ihre Stimme. Während Herumtreiber Hicham (Ed Mehdi Elaaroubi) im Netz zufällig auf einen Killer-Auftrag für Kemal trifft...

So laufen viele Handlungsfäden in einem grotesken Finale zusammen, das "Bonnie und Clyde" alle Ehre macht. Nicht das einzige Filmzitat: Casablanca erinnert mit seiner kühlen Architektur aus Glas und Beton an Tatis "Playtime", und der weiche Killer an den Film Noir. Burleske Elemente gemahnen an Chaplin, und beim willkürlichen Wechsel von Erzähltempo und Kameraperspektiven zwinkert uns die "Nouvelle Vague" zu. Bensaidi wollte sich hier vor "Casablanca" und dem Weltkino verbeugen. Doch bewundert er lediglich seine Allmacht als Regisseur, Bilder fröhlich zitieren und willkürlich verändern zu können. So entsteht pure Langeweile. No wonderful world!

Bewertung 1/5