Sprechstunde

Mein Sohn hat eine kratzige Stimme - ist das schlimm?

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Philip P. aus Friedenau fragt: Mein neunjähriger Sohn ist ganz normal entwickelt. Allerdings hat sich seine Stimme in den letzten Monaten ziemlich verändert. Er spricht immer sehr heiser, so, als ob gerade eine Erkältung im Anmarsch ist. Ansonsten hat er aber keine Symptome. Muss ich mir da Sorgen machen?

Eine Heiserkeit wie Sie sie beschreiben, kann sowohl akut wie auch chronisch sein. Für die akute Heiserkeit bei sonst unauffälligem Wohlbefinden sind meist Viren im Bereich des Kehlkopfes verantwortlich. Hier hilft meistens schon eine vorübergehende Stimmschonung, mäßig gewärmte Flüssigkeit (nicht kalt, aber auch nicht heiß!!) und gegebenenfalls abschwellende Inhalationen. Bei hohem Fieber oder zusätzlicher Luftnot sollte man sofort einen Arzt oder ein Krankenhaus aufsuchen.

Die chronische Heiserkeit hingegen kann vielfältige Ursachen haben. Angeborene Fehlbildungen, hormonelle Störungen, Zysten oder Polypen könnten zum Beispiel die Ursache sein. Meistens liegt aber eine übermäßige Stimmbelastung vor. Es kommt zu einer Art "Teufelskreislauf", da die Stimme durch die Rauheit und Heiserkeit leiser wird, die Kinder dann aber ihre Stimme noch mehr anstrengen.

Langfristig gesehen führt dies zu Stimmlippenknötchen (Schreiknötchen) und zu gepresstem und angestrengtem Sprechen. Oft spricht die ganze Familie sehr laut, die Kinder sind in lauten Gruppen oder befinden sich in einer lauten Umgebung, in der sie versuchen, andere zu übertönen. Auch Raucherluft fördert die Heiserkeit, da die empfindliche Kehlkopfschleimhaut hierdurch gereizt wird und sich schlechter erholen kann. Im Falle von Knötchen können die Stimmlippen nicht mehr gleichmäßig schwingen, die Stimme klingt rau und die Muskeltätigkeit des Kehlkopfes ist angestrengt.

Wichtig: Spätestens nach einer vierwöchigen Heiserkeit sollte unbedingt ein Facharzt für Stimmstörungen (HNO) aufgesucht werden, der den Kehlkopf mit einem Kehlkopfspiegel ansehen kann. Im Falle von angeborenen Fehlbildungen, Polypen oder Zysten wird dann sicherlich eine Operation mit Abtragung vorgeschlagen. Im Falle einer Schwellung und Rötung der Stimmlippen oder aber auch bei aufgetretenen Stimmbandknötchen wird dann eine logopädische Behandlung zur Förderung der richtigen Sprechweise eingeleitet. Hierbei werden neben Entspannungsübungen auch Übungen für Schulter, Hals und Stimmbandmuskulatur durchgeführt und die richtige Stimmbildung wird dem Kind genau erklärt. Es folgt eine sogenannte Stimmübungsphase, in der das Kind lernt, seine Stimme umzustellen. Ganz wichtig sind dabei die liebevolle Unterstützung der Umgebung sowie auch eine gute Eigenmotivation des Kindes. Achten sie vor allem darauf, dass ihr Kind sich nicht räuspert und nicht flüstert, denn dies strengt die Stimmbänder noch mehr an.

Beatrix Schmidt ist Chefärztin für Kinder- und Jugendmedizin