ADHS bedeutet Aufmerksamkeits-Defizit- und Hyperaktivitäts-Störung und bezeichnet die Kernsymptome, zur vollständigen Diagnose gehört zusätzlich Impulsivität. Viele Namensvarianten meinen das Gleiche. Tims Verhalten entspricht dem im Prinzip. Weil die Symptome sehr häufig vorkommen, sind die Verdachtsfälle zahlreich, die Diagnose einer "echten" ADHS schwierig. Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie hat klare Richtlinien vorgegeben. Gefordert sind neben den subjektiven Eindrücken der Eltern Informationen aus verschiedenen Perspektiven (Eltern, Lehrer/Betreuer und Kind selbst ab 11 Jahren) und Lebensbereichen des Kindes (bei Tim: Kindergarten, Freizeit) einschließlich der Testuntersuchung beim Spezialisten. Dass Tim sich bei Interesse konzentrieren kann, schließt die Diagnose nicht aus, das beobachten wir bei vielen Kindern. Es ist aber ein gutes Zeichen im Hinblick auf den Schweregrad und zeigt vielleicht einen "sanften Weg" aus der Situation: Insbesondere bei kleinen Kindern sind die Möglichkeiten des Einwirkens durch positive Umfeldgestaltung groß.

Uns Profis sorgt auch die hohe Rate von bis zu 80 Prozent an begleitenden Auffälligkeiten. Aus meiner persönlichen Erfahrung möchte ich aus der umfangreichen Liste die beeinträchtigten Beziehungen hervorheben, nicht zuletzt weil hier ein guter Behandlungsansatz, auch in Bezug auf die Schulfrage, ist. Viel diskutiert wird der angemessene Einsatz von Medikamenten, insbesondere Methylphenidat. Obwohl es in eindeutigen Fällen unzweifelhaft hilfreich ist, ist es für das Vorschulalter nicht zugelassen.

Dr. Andreas Wiefel ist Oberarzt an der Charité-Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters

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