Hört sich vielleicht nicht nach dem Alltag zweier erfolgreicher Unternehmerinnen an, doch genau das sind die beiden Berlinerinnen, seit sie 2006 die Kindermodemarke "Elfen Couture" gegründet haben.

Es ist eine dieser Erfolgsgeschichten, bei der sich scheinbar alles von allein ergibt. Eine Juristin und eine Werbetexterin freunden sich an, haben beide zwei Kinder - und ähnliche Träume. Etwas Kreatives machen, etwas Eigenes, Unabhängiges. "Wir waren völlig außer Rand und Band, es explodierte geradezu aus uns", erinnert sich Selina von Holleben, die einstige Werbetexterin. Die Freundinnen begannen zu entwerfen: Kleidung, Wohnaccessoires, sogar Möbel, und alles im Mini-Format. "Wir haben einfach das gemacht, was uns interessiert", sagt von Holleben. Mit rund 130 verschiedenen Teilen im Gepäck organisierten die Zwei dann eine Verkaufsveranstaltung im Kinderladen einer Freundin - am Ende war alles ausverkauft. Und ein halbes Jahr später hingen die ersten Stücke im noblen Quartier 206 an der Friedrichstraße.

Aber brauchen Kinder wirklich Seidenkleidchen? Tut's nicht auch eins aus Baumwolle? Klar. Denn natürlich werden Kinder auch ohne teure Designerklamotten glücklich. Aber die Nachfrage ist groß. Und die Zeiten, in denen die beiden Autodidaktinnen mit ihrer Kollektion im Kofferraum quer durch die Republik gefahren sind, um sie den Einzelhändlern zu präsentieren, sind vorbei. Ihr Atelier befindet sich heute unweit der Gotzkowskybrücke in den Räumlichkeiten der Icon Fashion Group, die sich auch um Vertrieb und Marketing kümmert. Im Showroom hängt neben der aktuellen Sommerkollektion schon die für die kommende Herbst/Winter-Saison. Was alle Stücke eint, egal ob leichtes Kleidchen oder wärmender Cordmantel, sind die hochwertigen Materialien und die klassischen Schnitte. Viele Sachen wirken wie Designermode für Erwachsene - bloß en miniature. Süße Häschen auf dem Röckchen und knuffige Teddybären am Pulli - tabu!

"Viele finden es dekandent"

Es sind Stil und Preis, die der Marke ihr Luxusimage eingebracht haben. "Dabei gehören nur etwa 30 Prozent einer Kollektion zum reinen Couture-Segment", erklärt Britta Breuel, die frühere Juristin, und greift nach einem hellen Ziegenledermantel, der um die 300 Euro kostet - "eher ein Show-Piece", wie sie es nennt. Dann holt sie ein blaues Baumwollhemd mit kleinem Stehkragen ("kratzt nicht so") für 59 Euro hervor, das auch ihre Söhne gern tragen. Die beiden Designerinnen haben Materialien und Preise schon oft verteidigen müssen. "Viele finden es dekadent, wenn man ein Kind im Seidenkleid zum Spielen schickt", sagt Selina von Holleben. "Aber meiner 5-jährigen Tochter ist der Stoff egal. Sie findet es einfach nur schön. Damit schenke ich ihr vielleicht ein einzigartiges Gefühl, an das sie sich noch mit 50 erinnert." Wenn man die exquisiten Teilchen überhaupt häufiger als einmal tragen kann. Aber - die Designerin beruhigt: "Die Sachen sind natürlich auch waschbar." Wer schöne Kleidung liebe, dem hafte oft das Vorurteil an, er habe ein falsches Werteempfinden, weiß Britta Breuel. "Mütter machen sich vielleicht wirklich Gedanken darüber, was genau ihr Kind tragen soll, doch das Kind mixt ganz allein." Tatsächlich gibt es bei der Kindermode eine extreme Spaltung. Mehr als die Hälfte des Marktes besetzen die günstigeren Anbieter, erklärt Martina Metzner, Fachredakteurin der "Textilwirtschaft". Ketten wie Hennes & Mauritz oder Zara, C&A oder Kik. "Auf der anderen Seite gibt es den Trend, seine Kinder sehr lifestylig zu kleiden." Um diese Nachfrage zu bedienen, bringen auch Nobelmarken wie Chloé, Boss, Missoni und Escada Kindermode heraus. Das sei eine Entwicklung der vergangenen zehn Jahre, sagt Heijo Gassenmeier, Vizechef des Bundesverbands des Deutschen Textileinzelhandels (BTE). Der Umsatz im Segment "Baby und Kinder" habe im vergangenen Jahr bei 2,65 Milliarden Euro gelegen, relativ stabil im Vergleich zu 2007. Laut einer Verbraucheranalyse geben Eltern für Kinder im Alter zwischen sechs und 13 Jahren durchschnittlich 319 Euro jährlich für Kleidung aus. "In Anbetracht der sinkenden Geburtenraten ist nur ein begrenztes Wachstum des Marktes möglich", so Gassenmeier. Nicht vergessen dürfe man auch, dass rund ein Viertel der Eltern die Kinderklamotten gebraucht in Second-Hand-Shops kaufen. "Interessant ist, dass Kinder immer früher mitentscheiden dürfen, was sie tragen wollen. 63 Prozent der Sechs- bis Neunjährigen ziehen sich so an, wie es ihnen gefällt."

"Kinder entscheiden früher selbst"

Da sind die Kleinen nicht anders als die Großen. Deshalb ist das Angebot bei Kindermode breit gefächert. Vom schimmernden "Elfen"-Seidenkleid bis zur strapazierfähigen "Finkid"-Bluse. Die hat Designerin Annika Rendel aus ihrer finnischen Heimat mit nach Berlin gebracht - fröhliche, praktische Mode, die jedes Wetter mitmacht. Aber auch ihre Sachen sind - wie alle Designer-Mode - nicht eben preiswert.

Edel-Mode für Kinder provoziert. Und bleibt doch Geschmackssache. Britta Breuel und Selina von Holleben betonen, sie gingen bei Elfen Couture natürlich auch auf die Bedürfnisse der Kinder ein. Die Kollektionsthemen bestimmen sie aber allein. Die heißen "Studio 54" oder "Dark Romantic" - Assoziationen aus der Erwachsenenwelt.

Die beiden Designerinnen verlassen ihr Atelier übrigens immer am frühen Nachmittag. Denn dann wartet der Nebenberuf Mutter: "Das ist das Schöne an unserem Job: wir haben ihn uns genau so gestrickt, dass wir ihn mit unserem Privatleben vereinbaren können."