Interview

Titelheld: Massimo Giordano

Der junge Tenor Massimo Giordano singt die Titelpartie in der Neuproduktion von Giuseppe Verdis "Don Carlo". Geboren in Pompeji, studierte er zunächst Flöte, dann Gesang in Triest. Er gastiert an den wichtigsten Opernhäusern und Festivals weltweit.

2009/2010 ging er mit Anna Netrebko auf Konzerttournee. Das Publikum der Deutschen Oper Berlin feierte ihn bereits als Rodolfo, Alfredo und Don José.

Frage: Was macht für Sie Verdi so einmalig?

Massimo Giordano: Verdis Musik ist für mich zuallererst eines: italienisch! Sie ist sehr eng mit der Zeit der italienischen Einheitsbewegung verbunden. Als Italiener fühle ich daher eine besondere Nähe zu seinem Werk.

Frage: Ihr erstes Opernerlebnis?

Massimo Giordano: Jetzt, da ich selbst Opernsänger bin, kann ich es zugeben: Ich mochte die Oper zunächst nicht. Als Musiker empfand ich Operngesang als unperfekt. Mit der Zeit verstand ich, dass es keine Perfektion geben kann. Musik und ihre Interpretation sind nicht statisch, sondern unterliegen einem ständigen Wandel.

Frage: Welche CD ist ein "Muss" für die einsame Insel?

Massimo Giordano: Ich kann sowohl klassische Musik als auch AC / DC hören. Es muss zum Moment und zu meiner Stimmung passen.

Frage: Wie ist es, quer durch die Welt zu reisen?

Massimo Giordano: Großartig! Alles ist neu und aufregend, man begegnet neuen Kulturen und Menschen. Dies macht mich sehr glücklich, aber auch unglücklich, da ich oft von meiner Familie getrennt bin.

Frage: Wie kriegt man Familie, Freunde und Karriere unter einen Hut?

Massimo Giordano: Wir telefonieren oft oder kommunizieren über das Internet, aber wenn meine Tochter mir sagt, dass sie mich vermisst, bricht es mir immer das Herz.

Frage: Was lenkt Sie am besten vom Opernbetrieb ab?

Massimo Giordano: Das Schachspiel. Es verlangt eine Konzentration, die es nicht zulässt, an anderes zu denken.

Frage: Was wäre für Sie eine berufliche Alternative?

Massimo Giordano: Vielleicht Manager oder Banker. Das Finanzwesen regiert die Welt. Interessant wäre für mich dabei aber weniger der Aspekt der Macht, als die Möglichkeit, wirklich etwas zu bewegen.