Kultur

Das Wirtshaus der Filmstars

Der Gasthof Naase ist seit vielen Jahren ein Drehort – aktuell für „Krauses Geheimnis“

Schauspieler Jörg Schüttauf geht noch einmal seinen Text durch. Kollege Horst Krause präpariert das Film-Motorrad mit Hund. Nach dem fünften Dreh ist die Szene für den neuen Film mit Dorfpolizist Horst Krause im Kasten. Was anderswo Aufsehen erregen würde, scheint hier keinen Einwohner übermäßig zu interessieren. Im 300-Seelen-Ort Gröben bei Ludwigsfelde (Teltow-Fläming) entstehen seit fast 20 Jahren Kino- und Fernsehfilme. Drehort ist wieder mal der Gasthof Naase, ein in 14. Generation geführter Familienbetrieb.

Nach dem ersten Streifen mit Götz George im Jahr 1995 („Der Sandmann“) sprach sich das urige Wirtshaus bei Filmproduzenten schnell herum. Inge Meysel hatte hier große Auftritte. Barbara Rudnik und Axel Milberg wurden von Regisseuren in Szene gesetzt. „Henry Hübchen drehte bei uns ‚Hoffnung für Kummerow’, Julia Jentsch für Effi Briest“, erinnert sich Wirt Peter Naase. Nach einem „Polizeiruf“ mit Jutta Hoffmann und Horst Krause sei die Idee für die Horst-Krause-Filme in der Reihe entstanden. Kürzlich fiel die letzte Klappe für „Krauses Geheimnis“ – ab dem kommenden Jahr wird der RBB-„Polizeiruf“ aus Brandenburg ohne den Dorfpolizisten fortgesetzt.

Erster und Letzter vor Ort

„Horst Krause spielt Horst Krause“, sagt Peter Naase. Seit Jahren erlebt er den aus Ludwigsfelde stammenden Mimen ganz aus der Nähe. „Das ist ein angenehmer Typ. Auf unserem Hof hat er sogar schon geholfen, als die Hühner mal ausbüxten“, so der Brandenburger. Gern erinnert sich der gelernte Koch auch an Götz George: „Morgens kam er immer durch die Tür und grüßte sehr höflich.“ Ins Gästebuch schrieb der Star: „Es war ein wirklich schönes Arbeiten bei Ihnen.“ Lange Gespräche gibt es mit den Schauspielern selten. „Man wechselt mal ein kurzes Wort, aber ansonsten sind die Darsteller sehr konzentriert und angespannt“, so Naase. Nach der letzten Klappe seien die Mimen schnell verschwunden. „Viele Akteure wohnen in Berlin und Brandenburg, manche während der Aufnahmen im Hotel. Sie werden zu uns chauffiert.“

Mit stoischer Ruhe schaut Peter Naase Horst Krause zu, wie der zum x-ten Mal seinen „Feuerstuhl“ besteigt. Filmleute eilen vorbei und nicken dem Wirt freundlich zu. Der nickt zurück. Besonders viel redet der gebürtige Rehbrücker nicht. Für einen Film mache er seine Schänke im Schnitt vier Wochen dicht. „An Drehtagen bin ich hier der Erste und der Letzte vor Ort. Ich habe ja die Schlüssel.“ Ohne den 45-Jährigen gebe es keinen Horst-Krause-Film in den gewohnten Kulissen. Ein Drehtag dauert schon mal bis zu 18 Stunden. Naase muss immer da sein. „Falls mal einer eine Frage hat.“

Als Komparse musste der Gröbener aber schon einige Male einspringen, wenn andere Hobby-Darsteller ausfielen. Auch Naases Mutter Johanna, 80, war schon in einem Krause-Film zu sehen. „In ‚Krauses Braut‘ radelte sie 2011 unsere Dorfstraße lang“, erinnert sich Sohn Peter. Natürlich kennen die Naases alle Krause-Filme aus dem Effeff. „Wobei wir weniger auf die Handlung, vielmehr auf Kulissen und Gasthaus-Details achten.“ Als eine der Ersten erfuhren sie den Titel des neuen Streifens: „Krauses Geheimnis“. Ursprünglich wollten die Naases das Gasthaus, in dem sie auch leben, nicht zur Filmkulisse werden lassen. Doch Produzenten beknieten sie so lange, bis sie zusagten. Angefangen habe alles mit Peter Zadek, der Anfang der 90er-Jahre mal als Privatgast da war. „Mit dem Namen konnte ich, ehrlich gesagt, gar nichts anfangen“, räumt Peter Naase ein. Zadek, Ex-Intendant des Berliner Ensembles, habe eines Tages angefragt, ob er im Saal nebenan Brechts „Der Jasager – Der Neinsager“ aufführen könne. „Es kamen damals mehr als 100 Leute, dazu Presse und Fernsehen. Hier war alles voll.“

Johanna Naase, die liebenswürdige und zurückhaltende Seniorin, ist ganz das Gegenteil von Krauses Film-Schwestern Elsa und Meta (gespielt von Carmen-Maja Antoni und Angelika Böttiger), die den „Gasthof Krause“ betreiben. Die Täfelung in der Gaststube stammt eigentlich aus einem Krause-Film. Naase: „Die gefiel uns so gut, da baten wir, sie zu lassen.“ Am Wochenende fiel die letzte Klappe zu „Krauses Geheimnis“. Nun kehre wieder Alltag ein, sagt Peter Naase. Kundschaft würde vor allem aus Potsdam, Berlin und Ludwigsfelde kommen. Als Kind hatte er auch andere Berufswünsche. „Aber wir sind ein Familienbetrieb. Das verpflichtet.“ Auf der Speisekarte stehen unter anderem Kartoffelpuffer, Bauernfrühstück, Schnitzel und Bockwurst. Die Küche ist bodenständig – und die Karte wurde für einen Krause-Film gleich übernommen.