Im November soll der Verkauf der Grundstücke an die Investoren von den Stadtverordneten abgesegnet werden. Zuvor aber will die Stadt am heutigen Donnerstag ab 19 Uhr bei einer Veranstaltung des Stadtforums Potsdam im Treffpunkt Freizeit den Bürgern die neue Stadtmitte vorstellen. Im Zentrum steht der Landtagsneubau mit der Fassade des alten Stadtschlosses, an dem seit Ende März 2010 gearbeitet wird. Am 24. November wird schon das Richtfest auf dem Alten Markt in Potsdam gefeiert.

Architekt Franco Stella, der in Berlin das Stadtschloss errichten soll, will für die Lelbach-Stiftung an der Brauerstraße 2 ein Vorder- und Gartenhaus entwerfen. Entstehen sollen überwiegend hochpreisige Wohnungen. Bei seinem Entwurf hat sich Stella klar an den Vorlieben Friedrichs II. orientiert. Um für mehr architektonisches Flair in Potsdam zu sorgen, ließ sich der König einst von Arbeiten des Renaissancearchitekten Andrea Palladio in Vicenza anregen. Davon ließ sich Stella bei seinem Stadtvillenentwurf inspirieren. Womit er bei Barbara Küster vom Verein "MitteSchön" Beifall erntet: "Das ist der Weg, den wir uns für Potsdam wünschen. Eine Architektur, die typisch für das historische Potsdam ist, gleichzeitig in modernem Gewand daherkommt."

Kritik an geplantem Fünfgeschosser

Dagegen gefallen die Vorstellungen des Baukonzerns Kondor Wessels Küster nicht. Am Fuß der Langen Brücke wollen in dessen Auftrag Bernd Redlich und das Architekturbüro Hilmer & Sattler und Albrecht einen Fünfgeschosser mit Tiefgarage errichten. An Stelle des früheren Palasthotels sollen ein Ärzte- und Bürohaus mit Wohnungen, Läden und einem Restaurant zur Wasserseite entstehen.

"Die breite Fassade wirkt in ihrer Schlichtheit leblos. Sie könnte unterteilt werden", schlägt Küster vor. Wenig Anklang findet das "neue Palasthotel" auch bei Martina Engel-Fürstenberger, die für die FDP in der Auswahlkommission saß. "Ich werde meiner Fraktion empfehlen, über dieses Bieterkonzept getrennt von den anderen abzustimmen." Einziger Leitbau soll um das künftige Stadtschloss mit dem Landtag herum das Palais Barberini werden, das nach historischem Vorbild von den Architekten Urs Ganter und Christopher Kühn wieder aufgebaut wird.

Die Pläne für die neue alte Mitte kommen bei Wolfhard Kirsch vom Bürgerbündnis ebenfalls gut an: "Wenn wir in Potsdam nur 80 Prozent von dem hinlegen, was da geplant ist, haben wir anderen gezeigt, was eine Harke ist." In den von der Stadt initiierten Workshops, die das Vorhaben begleitet haben, sei Beachtliches entstanden.

Voll des Lobes ist auch SPD-Fraktionschef Mike Schubert: "Potsdam bekommt endlich seine Mitte wieder." Skeptischer beurteilt die Linke die Bieter-Konzepte. "Man bemüht sich um ein hohes Maß an Qualität", sagt Linken-Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg. Für die Linken sei aber entscheidend, dass die Potsdamer etwas von der neuen Mitte haben. Auch ein "Normalsterblicher" sollte sich das Wohnen dort noch leisten können.